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Kassen wollen Zahnärzte stärker kontrollieren

München - Die gesetzlichen Krankenkassen erhöhen den Druck auf die Zahnärzte. Sie wollen künftig die Abrechnungen stärker kontrollieren – und versprechen den Patienten geringere Zuzahlungen.

Wer eine neue Krone oder eine Brücke braucht, muss als gesetzlich Versicherter durchaus mehrere hundert Euro selbst bezahlen. Der Grund: Die Krankenkassen beteiligen sich seit 2005 nur mit einem sogenannten Festzuschuss an den Kosten. Dieser richtet sich nach dem medizinischen Befund. Grundsätzlich deckt der Festzuschuss in etwa die Hälfte der Kosten einer Standardversorgung. Entscheidet sich der Patient für eine aufwendigere Behandlung, wird nach der privaten Gebührenordnung abgerechnet.

Auf private Zuzahlungen haben die Krankenkassen bisher keinen Einfluss. Dies soll sich künftig ändern, fordert der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). „Viele Versicherte klagen darüber, dass es zu teuer ist“, sagte GKV-Sprecher Florian Lanz. Um die Patienten vor überhöhten Rechnungen zu schützen, sollen die Kassen daher auch die Privatabrechnungen kontrollieren. „Das Verfahren ist völlig intransparent“, klagte Lanz. Obwohl sich die Kassen an den Kosten der Privatbehandlung beteiligten, würden sie die Abrechnungen nie sehen.

Die Kassen wollen aber nicht nur mehr Kontrolle, ihnen geht es auch um mehr Mitsprache. „Die zunehmende Privatisierung der zahnärztlichen Versorgung führt dazu, dass die Krankenkassen auf die Rolle des Bezahlers reduziert werden“, kritisierte Lanz. Der Verband schlägt daher einen eigenen Preiskatalog für die Zuzahlungen der gesetzlich Versicherten vor. „Wenn wir die Preise mit den Zahnärzten aushandeln würden, dann würde es bestimmt billiger, als wenn ein Versicherter alleine in der Arztpraxis mit dem Zahnarzt sitzt und ihm faktisch ausgeliefert ist“, so der GKV-Sprecher.

Der Eigenanteil der Versicherten beim Zahnersatz ist seit der Einführung der Festzuschüsse deutlich gestiegen. Je nach Fall erhöhte sich der Anteil zwischen 2005 und 2009 um 10 bis 14 Prozent. Inzwischen werden rund 75 Prozent der Zahnersatzleistungen über die private Gebührenordnung abgerechnet. Insgesamt 12 Milliarden Euro zahlten die Kassen 2011 für die zahnärztliche Versorgung – und damit etwa 180 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Der Anteil an den Gesamtausgaben blieb mit sieben Prozent dagegen konstant.

Bayerns Zahnärzte wiesen die Forderungen vehement zurück. „Eine private Vereinbarung zwischen Zahnarzt und Patient fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagte Janusz Rat, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB). Die Kassen sollten sich vielmehr auf ihre Pflichtaufgaben konzentrieren. „Solange es bei einigen Kassen, allen voran bei der AOK Bayern, zu Budgetüberschreitungen und Honorarkürzungen kommt, sollte sich die gesetzliche Krankenversicherung keine neuen Aufgaben ans Bein binden“, wetterte der KZVB-Vorsitzende.

Rat sieht auch keinen Mangel an Beratungsangeboten. Für Patienten, bei denen eine Zahnersatz-Behandlung ansteht, biete die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns eine kostenlose Zahnarzt-Zweitmeinung, so Rat. Die Beratungsstelle in München ist Montag, Dienstag, Mittwoch von 10 bis 12 Uhr und Freitag von 8 bis 10 Uhr unter 089/72 401-370 zu erreichen.

Steffen Habit

Rubriklistenbild: © dpa

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