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Das Logo der Munich Re am International Congress Center München. Foto: Alexander Heinl

Teuerstes Jahr der Geschichte

Munich Re von Naturkatastrophen gebeutelt

Die Munich Re ist ein gediegenes Traditionsunternehmen - das Jahr 2017 allerdings war aus Sicht des weltgrößten Rückversicherers alles andere als beständig.

München (dpa) - Eine ungewöhnliche Häufung von Naturkatastrophen hat der Munich Re den größten Gewinneinbruch in diesem Jahrzehnt beschert. Der weltgrößte Rückversicherer verdiente im vergangenen Jahr netto lediglich 392 Millionen Euro, wie das Unternehmen in München mitteilte.

Das war weniger als ein Fünftel der ursprünglich angepeilten 2 bis 2,4 Milliarden. Demnach kosteten die Großschäden den Konzern insgesamt 4,3 Milliarden Euro, allein die Serie der drei Hurrikans "Irma", "Harvey" und "Maria" in den USA und der Karibik schlug mit 2,7 Milliarden zu Buche. 2017 war für die Versicherungsbranche weltweit das teuerste Jahr der Geschichte.

Die Großschäden bei der Munich Re lagen dementsprechend weit über dem langjährigen Durchschnitt. Deswegen schrieb dieser Bereich mit einem Minus von 476 Millionen Euro auch rote Zahlen - im Vorjahr war es noch ein Gewinn von zwei Milliarden Euro gewesen. Wie schon im Herbst angekündigt, schlagen Konzernchef Joachim Wenning und seine Vorstandskollegen dennoch eine stabile Dividende von 8,60 Euro vor. "Auf unsere Dividende ist Verlass", teilte Finanzchef Jörg Schneider in München mit. Wegen der starken Finanzlage könne die Munich Re die hohen Schäden gut verkraften. Den schlechten Geschäftszahlen folgte ein schlechter Börsentag: Bis zum Mittag verlor die Aktie in Frankfurt mehr als fünf Prozent.

Einen historischen Negativrekord stellt der niedrige Gewinn im Katastrophenjahr 2017 für das Münchner Traditionsunternehmen aber nicht dar: 2001 hatten die Terroranschläge des 11. September den Überschuss sogar um 86 Prozent auf 250 Millionen Euro einbrechen lassen. Für 2018 rechnet Finanzchef Schneider wieder mit einem Ergebnis von 2 bis 2,4 Milliarden Euro oder sogar etwas mehr. Analysten rechnen mit knapp 2,5 Milliarden Euro - vorausgesetzt, dass nicht wieder unerwartet schwere Katastrophen die Bilanz verhageln. Der Orkan "Friederike", im Januar hingegen verlief für die Münchner Rück offenbar glimpflich: Schneider bezifferte die Kosten für das Unternehmen auf unter 100 Millionen Euro.

Das Jahresende im vierten Quartal fiel ebenfalls schlechter aus als der Vorstand es noch im Herbst erhofft hatte. Grund dafür waren die Waldbrände in Kalifornien, wie Finanzchef Schneider sagte. Zumindest einen positiven Folgeeffekt hatten die Katastrophen: Die in den Vorjahren gefallenen Preise in der Rückversicherung ziehen nun als Reaktion auf die hohen Schäden wieder an.

Erfreulicher für den Vorstand verlief die Entwicklung bei der Düsseldorfer Erstversicherungstochter Ergo, die nach langer Krise wieder dauerhaft profitabel werden soll. Anders als der Münchner Mutterkonzern übertraf die Ergo mit einem Nettogewinn von 273 Millionen Euro sogar die angepeilte Spanne von 200 bis 250 Millionen. Im Vorjahr waren es wegen Sanierung und Abfindungen für Stellenabbau nur 41 Millionen Euro gewesen. Ab 2021 soll die Ergo alljährlich rund 600 Millionen Euro Gewinn abwerfen.

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