News-Ticker: Polizei soll Attentäter von Barcelona erschossen haben

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Katzenjammer um Berlusconi

- München - ­ Als der mächtige Axel-Springer-Verlag vergangenes Jahr den Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 kaufen wollte, war die Aufregung groß. Nachdem das Milliardengeschäft im Januar 2006 am Kartellamt und auch an massiver Kritik scheiterte, warnte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, "dass mancher, der jetzt Triumphgeheul über die Durchsetzung persönlicher Animositäten anstimmt, in ein paar Jahren, wenn es zu spät ist, in Katzenjammer verfällt".

Jetzt steht Italiens Medienmogul und Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi vor der Tür des neben der RTL-Gruppe wichtigsten privaten deutschen Fernsehkonzerns. Zwar ist der von Berlusconis Familie kontrollierte italienische Medienkonzern Mediaset noch weit entfernt von einer tatsächlichen Übernahme. Doch die Ankündigung, dass der Aufsichtsrat heute entscheiden wolle, ob Mediaset in einen möglichen Bieterwettbewerb um ein Mehrheitspaket ProSiebensat.1 einsteigt, löste in Deutschland bereits heftige Reaktionen aus: Aus der SPD kamen Forderungen, den Einfluss ausländischer Investoren auf deutsche Medienkonzerne auf 25 Prozent zu begrenzen.

"Das Medienunternehmen ProSiebenSat.1 und seine Mitarbeiter haben etwas Besseres verdient als Silvio Berlusconi", erklärte der SPD-Medienkommissionschef Marc Jan Eumann. Berlusconi habe wiederholt mit seiner politische Macht das Medienrecht missbraucht und dem italienischen Rundfunksystem schweren Schaden zugefügt. Ausländische Investoren seien zwar grundsätzlich willkommen, dürften jedoch maximal ein Viertel an deutschen Medienunternehmen halten, forderte Eumann.

Doch die ProSiebenSat.1 AG befindet sich längst mehrheitlich in ausländischer Hand: Die internationalen Finanzinvestoren um den US-Milliardär Haim Saban kontrollieren 88 Prozent der Stimmrechtsaktien, 12 Prozent hält Springer.

Seit dem geplatzten Geschäft mit Springer erklärte Saban, sich alle Optionen offen halten zu wollen. Er dementierte jedoch konkrete Verkaufsabsichten. Noch vor zwei Wochen hieß es jedoch aus Sabans Umfeld, es gebe allenfalls Überlegungen im Gesellschafterkreis, dass einer der Mitgesellschafter seinen Anteil eventuell verkaufe oder verringere. Doch nun bestätigte Berlusconis Mediaset erstmals offiziell, dass hinter den Kulissen ein Auktionsverfahren für das von Saban und Investoren gehaltene Mehrheitspaket von 50,5 Prozent angelaufen ist.

Der Mediaset-Verwaltungsrat wolle ein "unverbindliches Angebot bewerten", erklärte ein Unternehmenssprecher. Mediaset sei aber nicht von sich aus an die ProSiebenSat.1-Gruppe herangetreten, sondern von der Investmentbank Morgan Stanley angesprochen worden, die das Auktionsverfahren mitorganisiere. Auslöser für die Stellungnahme war ein Bericht der römischen Tageszeitung "Messagero". Sie berichtete, dass Mediaset erwäge, ein Angebot in Höhe von 5 Milliarden Euro abzugeben, 800 Millionen mehr, als Springer zahlen wollte.

Schon bei der Kirch-Pleite war Berlusconis Medienimperium mehrfach als Käufer für den deutschen TV-Konzern im Gespräch. Als italienischer Regierungschef machte er jedoch einen Rückzieher, als der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einen größeren Einstieg als problematisch wertete.

Doch Berlusconis Medien-imperium gilt nur als einer der möglichen Kaufinteressenten für ProSiebenSat.1. Im Umfeld des Bieterverfahrens werden mehrere amerikanische und britische Beteiligungsgesellschaften genannt. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, mit dem aktiven Ansprechen von Mediaset wolle Sabans Investorengruppe ein lukratives Wettbieten anschieben.

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