Kaum Besuch in der Multimediawelt

- München - Am 18. August 2000 dürfte Hans Eichel das letzte Mal laut gelacht haben. Damals verkündete die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post das Ergebnis der UMTS-Lizenzversteigerung (Universal Mobile Telecommunications System): Sechs Telekommunikations-Unternehmen zahlen zusammen die - aus heutiger Sicht - unglaubliche Summe von 50 Milliarden Euro, um am Geschäft mit dem gepriesenen Mobilfunk-Standard teilnehmen zu dürfen. Allein Marktführer T-Mobile machte mit acht Milliarden Euro einen gesamten Jahresumsatz locker. Das Geld stand dem Finanzminister zu und versickerte in den Haushaltslöchern.

<P>T-Mobile: Jahresumsatz für die gepriesene Technik<BR>Knapp vier Jahre später, zieht Eichel seine Mundwinkel nur noch selten nach oben. Aber auch die erfolgreichen Bieter haben nur wenig Freude: Mobilcom ging an den Ausgaben für die Lizenz beinahe zu Grunde und investierte nicht weiter. Quam ist seit Anfang 2002 in Deutschland ganz von der Bildfläche verschwunden. Die restlichen Mobilfunker T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 haben in den letzten Monaten nach und nach ihre UMTS-Netze aufgezogen. Nur: Die Nachfrage hält sich in Grenzen.</P><P>Zwar legt keines der Unternehmen Zahlen auf den Tisch, aus denen hervor geht, wie viele Kunden sich bereits für UMTS-Angebote entschieden haben. "Das Interesse ist da" oder "es läuft ganz gut", heißt es lediglich. Tatsächlich aber gibt es Indizien, dass das Geschäft nur schleppend anläuft. In Österreich etwa, wo schon seit einem Jahr mit UMTS-fähigen Handys telefoniert werden kann, hat einer der großen Anbieter, H3G, gerade einmal 50 000 Menschen überzeugen können. Eine Studie der Meinungsforscher von Forrester Research hat ergeben, dass bis 2008 nur jeder fünfte Mobilfunkkunde ein UMTS-Gerät kaufen will. Warum sind die Verbraucher bislang nicht interessiert?</P><P>Zum einen weil UMTS für Privatkunden vorerst nicht viel Neues und nur wenig Nützliches bringt. Telefonieren oder SMS-Kurznachrichten verschicken kann man auch mit dem bisherigen Mobilfunk-Standard GSM (Global System for Mobile communication). UMTS kann seine Stärke - die wesentlich höhere Geschwindigkeit bei der Datenübertragung - nur bei Datendiensten ausspielen, die schon länger angeboten werden. Dabei handelt es sich etwa um den Versand so genannter MMS (Multimedia Messaging), dem Abruf von Video- oder Audiodateien. Die nutzt bislang jedoch nur ein Fünftel der Handybesitzer, wobei das Interesse offenbar zunimmt: "Der Umsatz wächst bei uns", sagt T-Mobile-Sprecher Husam Azrak. Bei Vodafone und O2 hofft man zudem, die Kunden mit neuen Dienste wie Videotelefonie zu überzeugen.</P><P>Abdeckung: Landbewohner schauen in die Röhre<BR><BR>Ein weiteres Problem von UMTS ist die Netzabdeckung. Zwar geben alle Anbieter an, dass zwischen 30 und 50 Prozent der Bevölkerung an ihrem Wohnort die neue Technik einsetzen kann. Allerdings zählen nur die Einwohner größerer Städte dazu. Der Netzausbau wird jedoch nur dort weitergehen, "wo es Sinn macht", wie Azrak sagt. Damit zeichnet sich ab, dass die Einwohner ländlicher Regionen in absehbarer Zeit daheim nicht in die UMTS-Multimedia-Welt eintauchen können. Nur bei Aufenthalten in Städten könnten sie UMTS nutzen, denn die Handvoll verfügbarer UMTS-Handys ist GSM-kompatibel: Wer eine UMTS-Zone betritt, telefoniert via UMTS, wer sie verlässt via GSM.<BR><BR>Trotz aller Anlaufschwierigkeiten glauben Experten und Unternehmen, dass sich UMTS langfristig durchsetzen wird. "Es ist die Übertragungstechnik der Zukunft", sagt O2-Sprecher Roland Kuntze. Georg Ruppert von Mummert Consulting: "Ich bin optimistisch, dass sich die Investitionen für die Anbieter rechnen werden." Der Berater verweist auf den Erfolg der SMS, an die vor Jahren auch niemand geglaubt hätte. Vor allem für Geschäftskunden könnte sich UMTS als sinnvolles Werkzeug erweisen. Sie können mit Hilfe einer Karte für den Laptop, die bereits von allen Anbietern verkauft wird, kabellos in DSL-Geschwindigkeit im Internet surfen. Damit lassen sich etwa am Flughafen oder im Hotel die E-Mails organisieren oder Daten aus dem Firmennetzwerk abrufen.</P>

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