+
Der Mann ist einer von sechs VW-Managern, die die US-Justiz im Zusammenhang mit der Dieselaffäre strafrechtlich belangen will. Foto: Erik S. Lesser

Bis zu 169 Jahren Haft drohen

Kaution abgelehnt: Festgenommener VW-Manager bleibt in Haft

Vor einer Woche war er noch im Urlaub, nun bleibt er vorerst in Haft: Der Kautionsantrag für einen der sechs im Abgas-Skandal von der US-Justiz angeklagten VW-Manager wurde abgelehnt. Dem Mann droht im Extremfall eine mehr als lebenslängliche Gefängnisstrafe.

Miami (dpa) - Ein wegen mutmaßlicher Beteiligung am Abgas-Skandal in Florida festgenommener VW-Manager bleibt in Haft. Bei einer Anhörung in Miami lehnte der zuständige Richter den Antrag ab, den Angeklagten gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen.

Es gebe ein ernstzunehmendes Risiko, dass der Mann nach Deutschland fliehe, von wo er keine Auslieferung zu befürchten habe, und sich so seinem Prozess in den USA entziehe. Dem Deutschen droht im härtesten Fall eine Haftstrafe von 169 Jahren.

Der 48-Jährige soll von Beamten der Justizbehörde US Marshals Service zum zuständigen Gericht in Detroit gebracht werden, wo Strafanzeige gegen ihn gestellt wurde und ihm der Prozess gemacht werden soll. Der Mann wird beschuldigt, Teil einer Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen Umweltgesetze gewesen sein. Ihm wird insbesondere der Versuch vorgeworfen, Abgas-Manipulationen zu vertuschen und Ermittler in die Irre zu führen.

Wann der VW-Mitarbeiter, der bis März 2015 in leitender Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut war, erstmals vor dem zuständigen Richter Sean Cox in Detroit erscheint, ist nach Angaben einer Sprecherin der Bundesanwaltschaft von Michigan noch nicht klar. Der Angeklagte, der am vergangenen Samstag aus dem Urlaub nach Deutschland zurückkehren wollte und am Flughafen in Miami von der Bundespolizei FBI gefasst wurde, könnte auch noch eine Weile in Florida in Arrest bleiben.

Der Mann ist einer von sechs amtierenden und ehemaligen Volkswagen-Managern, die die US-Justiz im Zusammenhang mit der Dieselaffäre strafrechtlich belangen will. Bei den anderen Angeklagten dürfte das aber nicht so einfach werden, da die US-Fahnder in Deutschland schwer Zugriff auf sie haben. In der 39-seitigen Klageschrift sind etliche Anschuldigungen von bewussten Falschaussagen bis hin zur Vernichtung von Beweismitteln gelistet.

VW hatte sich im US-Strafverfahren bereits auf Unternehmensebene schuldig bekannt und kriminelle Handlungen zugegeben. Der Konzern zahlt im Rahmen eines am Mittwoch vom US-Justizministerium verkündeten Vergleichs 4,3 Milliarden Dollar (4,1 Mrd Euro), um straf- und zivilrechtliche Rechtskonflikte beizulegen. Diese Einigung muss aber noch abschließend von Richter Cox genehmigt werden.

Link zur Klageschrift

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Türkei verhängt Sanktionen gegen Produkte aus den USA
Wie du mir, so ich dir: Die Türkei erhebt nun ihrerseits Strafzölle gegen die USA, unter anderem auf die Einfuhr von Autos und Alkohol. Der von Präsident Erdogan …
Türkei verhängt Sanktionen gegen Produkte aus den USA
Entsorger kritisieren neue Vorgaben für Elektroschrott
Essen (dpa) - Die neuen Regeln zur Entsorgung von Elektroschrott bringen aus Sicht des Branchenverbandes bvse keinen "Recycling-Schub".
Entsorger kritisieren neue Vorgaben für Elektroschrott
Schlimme Schikane-Vorwürfe gegen Aldi: Jetzt reagiert der Discounter
Das riecht nach Ärger: Mitarbeiter erheben im „Spiegel“ schwere Vorwürfe gegen Aldi. Jetzt hat der Discounter eine Stellungnahme dazu abgegeben.
Schlimme Schikane-Vorwürfe gegen Aldi: Jetzt reagiert der Discounter
Reisemobile werden in Deutschland immer beliebter
Auch der Diesel-Skandal kann die Begeisterung der Deutschen für Freizeitfahrzeuge nicht bremsen. In diesem Jahr dürften rund 70 000 neue Reisemobile und Caravans …
Reisemobile werden in Deutschland immer beliebter

Kommentare