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Geplant wurde der neue Firmensitz in Oberpfaffenhofen noch unter dem Namen Kayser- Threde. Künftig wird die Tochter des OHB-Konzerns dessen Namen führen.

Raumfahrtindustrie

Kayser-Threde heißt künftig OHB

München - Das Münchner Raumfahrt-Unternehmen Kayser-Threde gibt seinen Namen auf. Und es ist bald auch kein Münchner Unternehmen mehr. Unter dem Namen der Konzernmutter OHB zieht es zum Flughafen Oberpfaffenhofen um.

Die eine Firma hatte fünf Mitarbeiter, reparierte hydraulische Systeme für die Bundeswehr. Sie hieß Otto-Hydraulik Bremen (OHB). Die andere, Erwin Kayser-Threde, war ein Chemielabor, das provisorisch in einer Gartenlaube am München Hirschgarten untergebracht war. Das waren die Anfänge in der Nachkriegszeit. Beide Unternehmen wuchsen zu wichtigen Spielern in der Raumfahrtindustrie heran. Als OHB 2007 die Münchner übernahm, hatte der deutsche Branchenführer Astrium einen ernsthaften Gegenspieler mit rund 2000 Mitarbeitern bekommen. Prompt schnappte der Neuling dem Platzhirschen den prestigeträchtigen Auftrag über den Bau der Galileo-Satelliten weg.

Nun werden beide Unternehmen unter dem Namen OHB verschmolzen. Die Marke Kayser-Threde wird in der Raumfahrt nicht mehr auftauchen. Nur bei Industrieprodukten wird sie weitergeführt.

Das größte Münchner Raumfahrt-Unternehmen bekommt nicht nur einen neuen Namen, es wird künftig auch kein Münchner Unternehmen mehr sein: Als die Entscheidung anstand, zusätzlich zu den bestehenden zwei Standorten in Sendling einen dritten mit einer Halle für Reinraum-Fertigung aufzumachen, kam die Idee auf, alles unter einem Dach zu vereinen.

Fündig wurde OHB/Kayser-Threde am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen. Gestern wurde dort Richtfest gefeiert. Kernstück sind die neuen Reinraum-Hallen, in denen bei gleichbleibender Temperatur und Feuchte hochpräzise optische Systeme montiert werden, die jahrelang aus dem Weltraum Bilder zur Erde senden sollen. Darum herum, Büros und Laboratorien mit zahlreichen Begegnungsmöglichkeiten sowie einem großen Kasino im lichtdurchfluteten Gebäude. Das hat bei Kayser-Threde Tradition und wird auch unter dem OHB-Dach so bleiben. „Die besten Ideen entstehen in der Caféteria“, beschreibt Architekt Harm Haslob die Philosophie dahinter.

Arbeitsplätze wird weder die Verschmelzung kosten noch die Konzentration auf ein Gebäude. Im Gegenteil. Der Neubau ist für alle 360 Kayser-Threde-Mitarbeiter ausgelegt und verfügt über eine Reserve für weitere 150 Arbeitsplätze. „Wir sind eine boomende Branche“, sagt Konzernchef Marco Fuchs.

Die Branche boomt so sehr, dass es für sie schwer wird, das notwendige Personal zu bekommen – wären da nicht die europäischen Krisenländer, in denen bei den Raumfahrtprogrammen der Rotstift regiert. Etwa bei der Hälfte der Neueinstellungen kommen Bewerber aus Frankreich, Italien oder Spanien zum Zug. Sprachbarrieren spielen dabei keine große Rolle. Obwohl OHB ein deutsches Unternehmen ist, sind mehr als 80 Prozent der Programme international und damit englischsprachig angelegt. „Selbst Betriebsversammlungen werden bei uns zweisprachig geführt“, sagt Fuchs. Wer in der Luft- und Raumfahrtbranche mit nur geringen Englischkenntnissen Fuß fassen will, bekommt Schwierigkeiten, sagt Marco Fuchs. Mit der dritten Sprache am Standort Oberpfaffenhofen, dem Bayerischen, hat der Konzernchef keine Schwierigkeiten. Die Familie Fuchs stammt ursprünglich aus Südtirol.

Weil OHB auch die Mehrheit bei der früheren MAN-Raumfahrt-Tochter MT Aerospace hat, arbeiten für den Bremer Konzern rund 1000 Mitarbeiter in Bayern – mehr als am Stammsitz in der Hansestadt. Das Unternehmen, das zwischenzeitlich auch „Orbitale Hochtechnologie Bremen“ hieß, misst seinem Kürzel heute keine Bedeutung mehr bei. „Das B“, sagt Marco Fuchs, „könnte auch für Bayern stehen."

Martin Prem

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