Kein Alkohol, keine Waffen: Wie religiöse Fonds Geld anlegen

- München - "Allah hat den Handel erlaubt, aber den Zins verboten", schreibt der Koran im Vers 275 vor. Für die streng gläubigen Muslime ist es deshalb nicht einfach, ihr Geld ertragreich anzulegen. Allein in Deutschland leben etwa 3 Millionen Muslime, viele davon suchen korankonforme Kapitalanlagen. Nicht nur Banken und Fondsgesellschaften haben diesen Trend erkannt, auch das Bundesland Sachsen-Anhalt emittierte vor kurzem eine islamische Anleihe.

<P>Der Kapitalmarkt bietet aber nicht nur für Muslime maßgeschneiderte Anlageformen, es gibt auch eine Reihe von weiteren "religiösen Investmentprodukten".</P><P>Mit einem Volumen von 100 Millionen Euro machte das Land Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr den Vorreiter bei Islamic-Banking-Anleihen. Die Konstruktion des Bonds ist raffiniert, denn die Anleger haben sich über eine Stiftung indirekt an staatlichen Immobilien wie Finanzämtern beteiligt. Am Ende der Laufzeit bekommen diese dann das eingesetzte Kapital wieder zurück und statt der Zinsen die angefallenen Mieteinnahmen. Auch Gewinnanteile und somit die Anlage in Aktien sind Muslimen erlaubt.</P><P>Hierbei gibt es aber Einschränkungen. Tabu sind Aktien von Firmen, die ihr Geld mit Waffen, Alkohol, Schweinefleisch, Pornographie oder Glücksspiel verdienen. Auch Banken stehen auf dem Index, weil sie die Gewinne mit Zinsen machen. Die Commerzbank bietet mit dem Al-Sukoor-European-Equity-Fonds den bisher einzigen "Islam-Fonds" in Deutschland an. Der Aktienfonds beinhaltet ausschließlich Werte, die vom "Sharia-Board" freigegeben werden. Dieses Gremium besteht aus Gelehrten verschiedener islamischer Strömungen und prüft alle Titel, die der Fonds kaufen will. Die großen Positionen des Fonds sind aktuell Werte wie BP, Vodafone, Glaxo-Smithkline, Nokia oder Siemens. Die Wertentwicklung der letzten fünf Jahre entspricht ungefähr der des MSCI-Europe-Index.</P><P>Mittlerweile haben auch die Emittenten von Zertifikaten die Islam-Anlagen für sich entdeckt. Neben der Schweizer UBS hat nun auch die Deutsche Bank Islamic-Zertifikate auf den Markt gebracht. Während für das UBS-Papier der gesamte Islam-Weltindex (beinhaltet ca. 1700 geeignete Werte) die Messlatte ist, hat die Deutsche Bank Teile des World-Index als Zertifikate zusammengestellt. Der Anleger wird bei Varianten wie Islamic-Asia oder Islamic-Europe an der Entwicklung des entsprechend gebildeten Aktienkorbes beteiligt. </P><P>Das Spektrum der religiösen Investments ist aber nicht nur auf den Islam beschränkt. Aktienfonds, die nach ethischen Grundsätzen investieren, sind weit verbreitet. Der Liga-Pax-Cattolico-Fonds (Union Luxembourg) kauft ausschließlich Werte aus dem Ethical-Index-Global-Return. Dieser beinhaltet Aktien, bei denen christliche Werte, soziale Maßstäbe, nachhaltige Unternehmenspolitik und ökonomische Ziele im Vordergrund stehen. In Amerika gehört der "Ave-Maria-Cattolic-Fund" zu den bekannten religiösen Aktienfonds. Die Fondsmanager setzen ausschließlich auf Dividendentitel, die am katholischen Grundgedanken festhalten und moralisch einwandfrei sind. Zur Roten Liste der Aktien gehören unter anderem Werte aus den Bereichen Sex und Glücksspiel.</P><P>Im Kontrast dazu kauft der "Vice-Fonds" (Laster-Fonds) der US-Firma Mutuals.com nur Werte aus verwerflichen Branchen wie Rüstung, Spielhallen oder Alkohol. Vergleicht man die Wertentwicklung des "Vice-Fonds" mit dem "Ave-Maria-Cattolic-Fund", so schnitt der Laster-Fonds im Jahr 2004 mit einer Wertentwicklung von 24,4 Prozent besser ab als der "Cattolic-Fund", der aber auch immerhin 20,1 Prozent zulegte. </P>

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