Kein Anschluss ­ Was Reisende tun können

- Die Bahn haftet zwar nicht für das Streik-Chaos auf den Schienen und Bahnsteigen, doch sie verspricht unproblematische Ticket\-änderungen und Rückerstattungen.

Frankfurt/München ­ - Verspätungen, ausgefallene Züge, lange Wartezeiten, geschlossene Schalter ­ die Nerven der Bahnreisenden werden auch in den kommenden Tagen auf eine harte Probe gestellt. Ganz hilflos sind sie den Unannehmlichkeiten nicht ausgeliefert. Wir zeigen, welche Möglichkeiten es gibt.

Tickets umtauschen oder zurückgeben

Bei Problemen wegen der Warnstreiks bei der Deutschen Bahn haben Reisende die Möglichkeit, ihre Fahrkarten kostenlos umzutauschen oder sich den Reisepreis erstatten zu lassen, sollten sie ihre Fahrt nicht antreten. Das gilt laut Bahn für alle Karten und Reservierungen, die an einem Streiktag gültig sind. Kunden können von diesem Recht bis Ende Juli Gebrauch machen.

Wer wegen der angelaufenen Warnstreiks seinen Anschlusszug verpasst, darf laut Bahn unter Umständen in den nächstmöglichen Zug steigen, auch wenn damit eine höherwertige Verbindung in Anspruch genommen wird und man dafür eigentlich keine Karte besitzt. Das ist vor allem für Kunden mit einem Ticket zum "Dauer-Spezial-Preis" oder Sparpreis-Konditionen wichtig. Denn diese Reisenden haben sich auf einen bestimmten Zug festgelegt. Laut DB-Personenverkehrs-Sprecher Achim Stauß muss die Entscheidung darüber aber im Einzelfall vor Ort getroffen werden, Reisende sollten deshalb auf Durchsagen in den Bahnhöfen achten.

Im Nahverkehr dagegen sieht es schlecht aus: "Keinerlei Ersatzansprüche" haben Kunden der S-Bahn, stellt MVV-Sprecherin Beate Brennauer klar.

Der Streik gilt für die Deutsche Bahn als höhere Gewalt, daher sind Entschädigung nach Maßgabe der Kundencharta nicht möglich. Dem Regelwerk zufolge stehen Kunden im Fernverkehr Entschädigungsleistungen zu, wenn es zu deutlichen Verspätungen kommt. Dazu gehören unter anderem Reisegutscheine im Wert von 20 Prozent des Fahrpreises, sollte ein Fernzug mit mehr als 60 Minuten Verspätung an seinem Ziel ankommen.

Weil die Bahn Streik als höhere Gewalt einstuft, haben Kunden laut Stauß keinen Anspruch auf solche Leistungen, zu denen möglicherweise auch eine Taxifahrt oder eine Hotelunterbringung zählen würden.

Streit um Streik als höhere Gewalt

Das sieht die Schlichtungsstelle Mobilität, die Reisenden bei der Durchsetzung ihrer Rechte behilflich ist, grundsätzlich anders: Schließlich habe die Bahn Einfluss auf den Gang der Verhandlungen und könne den Streik verhindern, erklärt Anke Lobmeyer. Sie rät Kunden, in jedem Fall auf die Charta hinzuweisen und eine Entschädigung zu verlangen. Als "rechtliche Grauzone" mit "keiner gesicherten Rechtssprechung" bezeichnet Petra von Rhein, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern, das Thema Streik und höhere Gewalt.

Mit Blick auf die kommenden Streiks empfiehlt es sich, sich zu informieren und ­ wenn möglich ­ alternative Routen zu wählen. Reisende können sich über die kostenlose Hotline unter der Rufnummer 0\x0f80\x0f00/99\x0f66\x0f33 informieren. Weil sich Kunden über die schwere Erreichbarkeit beschwert hatten, wurde die Hotline nach Angaben der Bahn personell verstärkt. Infos ohne Warteschleife gibt es auch im Internet (www.bahn.de/blitz/view/index.shtml).

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