Kein Auto vorm Tor: Industrie gibt Image-Werbern einen Korb

- Berlin - Die Idee gibt es noch immer: Ein Automodell aus versilbertem Styropor, das während der Fußball-WM in einem Jahr vor dem Brandenburger Tor Werbung für den Standort Deutschland machen soll. Bei der Imagekampagne von Politik und Wirtschaft ("Deutschland - Land der Ideen") soll das Auto zum Vorzeigeprodukt für alle Erfindungen made in Germany werden. Problem nur, dass die deutsche Autoindustrie nicht mitspielt. Bislang hat kein Hersteller dafür Geld zur Verfügung gestellt. BMW hat bereits von Anfang an abgewunken.

<P>Die Gründe sind unterschiedlich. Für den neuesten Verdruss sorgte der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, einer der Urheber der Kampagne. Rogowski ließ sich in einem Interview äußerst unfreundlich über Porsche-Chef Wendelin Wiedeking aus, der Verständnis für die SPD-Kapitalismuskritik hatte erkennen lassen. Im Wortlaut: "Dass wir Unternehmerkollegen haben, die sich wichtig tun und sich aufspielen in einem solchen Zusammenhang - damit müssen wir leben."<BR><BR>Daraufhin erklärte der Sportwagenhersteller seinen Ausstieg aus der Kampagne. Preis für das Interview: Eine Million Euro, die Porsche bereits fest zugesagt hatte. Den Organisatoren fehlt damit immer noch das Geld, um richtig loslegen zu können. Aus der Wirtschaft kamen bislang 7,5 Millionen Euro zusammen. Aber zehn Millionen Euro müssen es sein, damit auch die Bundesregierung die eingeplanten zehn Millionen Euro aus der Staatskasse freigeben kann.<BR><BR>Doch unabhängig von diesem persönlichen Streit taten sich die Autokonzerne im Autoland Deutschland (Jahresumsatz der Branche 2004: 227 Milliarden Euro) auch zuvor schwer mit der WM. Zum einen, weil sich eine ausländische Marke bei der FIFA die Exklusivrechte gesichert hat. Während der WM - und auch jetzt während des Confederation Cups - dürfen offiziell nur Fahrzeuge des koreanischen Hyundai-Konzerns genutzt werden. Deutsche Hersteller bleiben ausgesperrt.<BR><BR>Zum anderen gehen die deutschen Autofirmen aber immer schon sehr unterschiedlich mit dem Thema Fußball um. Mercedes-Benz hat immerhin die Nationalmannschaft unter Vertrag, VW leistet sich in Wolfburg einen eigenen Bundesliga-Verein, aber BMW konzentriert sich auf die Formel 1, Golf und Segeln. "Fußball gehört nicht zu unseren Kernsportarten", heißt es. Bei Audi stört man sich ebenso wie bei anderen daran, dass es bei der Kampagne kaum einen Wiedererkennungseffekt für einzelne Firmen gibt.<BR><BR>Bei VW und Daimler-Chrysler können die Kampagnenmacher aber noch darauf hoffen, dass beide mit jeweils einer Millionen im Kreis der Sponsoren dabei sein werden. "Die Grundidee ist gut. Wir sagen nicht kategorisch Nein", so VW-Sprecher Dirk Große-Leege. "Aber die Ausrichtung muss stimmen." Bei Daimler-Chrysler sagt die Leiterin der Sportkommunikation, Claudia Merzbach: "Die Gespräche sind nach allen Seiten offen."<BR><BR>Rogowski tröstet sich einstweilen damit, dass die Autohersteller "noch Geschwindigkeit aufnehmen müssen".<BR><BR>Aber unabhängig von deren Entscheidung: Beim "Walk of Ideas" ("Weg der Ideen"), auf dem während der WM-Zeit an verschiedenen Plätzen in Berlin prominente deutsche Erfindungen präsentiert werden, soll auf jeden Fall ein Auto dabei sein. Übrigens: Der Prototyp für das Styropor-Modell stammt von der Entwicklungsskizze für einen Mercedes.</P>

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