Kein Boom zu spüren: Aktionäre richten über die Münchener Rück

- München - Bei seiner ersten Hauptversammlung als Chef der Münchener Rückversicherung hatte Nikolaus von Bomhard keinen leichten Stand. Ihm schlug die geballte Kritik führender Fondsgesellschaften entgegen, die einige Prozent am weltgrößten Rückversicherer halten. Die Fondsmanager bemängelten das niedrige Niveau der Rück-Aktie und mangelnde Profite in der Sparte Lebensversicherung.

<P>Der Teilkonzern Ergo, unter dessen Dach die Lebensversicherer tätig sind, ist "das größte Sorgenkind", kritisierte ein Vertreter von SEB-Invest beim Aktionärstreffen in München unter Beifall. Wenn es nicht gelinge, dessen Profitabilität zu steigern, müsse sich der Konzern wieder auf die Rückversicherung zurückziehen.<BR><BR>Der im Branchenvergleich hinterherhinkende Aktienkurs von rund 85 Euro schaffe eine Übernahmegefahr. Vom aktuellen Boom der Rückversicherung würden die Aktionäre nichts spüren.<BR><BR>"Große Versprechungen, wenig liefern", charakterisierte ein Vertreter der DWS das Auftreten des Assekuranzkonzerns vor der internationalen Finanzwelt. Mit dieser fehlgeleiteten Taktik habe das Management "Anlegervertrauen zerstört", rügte ein Fondsmanager der Deka-Invest. Das gelte auch für den Kleinkrieg, den sich die Münchener voriges Jahr mit Ratingagenturen um eine letztlich dann doch vollzogene Kapitalerhöhung geliefert haben, ergänzte ein Kollege. </P><P>Die Fondsmanager verlangten von Bomhard zudem, die Beteiligungen an der Hypovereinsbank (HVB), Commerzbank und Allianz weiter zu senken. Mit der nun begonnenen Entflechtung habe man zu lange gewartet und dabei höhere Verkaufspreise verpasst. Aber auch andere Aktionärsgruppen reagierten erbost auf das "schwarze Vorjahr", das der Münchener Rück mit 434 Millionen Euro Jahresfehlbetrag den ersten Verlust seit fünfzig Jahren beschert hatte. "Welche Kröte kommt noch aus der Dunkelheit hervor?", fragte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz angesichts eines lange aus dem Ruder gelaufenen Risikomanagements. </P><P>Vergeblich versuchten Kleinaktionäre, die Wahl des früheren Konzernchefs Hans-Jürgen Schinzler an die Spitze des Aufsichtsrats der Münchener zu verhindern. Sein Konzern habe in den vergangenen zwei Jahren in der Tat viel Vertrauen bei Anlegern und in der Finanzwelt eingebüßt, räumte Bomhard angesichts der geschlossenen Front der Kritiker ein. Durch Ergebnisverbesserung wolle er das verlorene Terrain nach und nach wieder zurückerobern. Das erste Quartal 2004 zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei. </P><P>In den ersten drei Monaten haben die Münchener aus im Vorjahr gut einer halben Milliarde Euro Quartalsverlust über eine halbe Milliarde Euro Gewinn gemacht. Auch Ergo sei nach über einer Milliarde Euro Vorjahresverlust Anfang 2004 in die Gewinnzone zurückgekehrt, betonte Bomhard. Er sei deshalb zuversichtlich, im Gesamtjahr nach Steuern zwei Milliarden Euro Gewinn zu erzielen. Die Hauptversammlung beschloss, die Dividende bei 1,25 Euro je Aktie zu belassen.</P>

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