Kein Ende der Arbeitsmarkt-Krise: Chancen nur beim Mittelstand

- Nürnberg - Da müssen inzwischen selbst versierte Arbeitsvermittler passen: Angesichts eines weiter schrumpfenden Jobangebots in Deutschland sind in den vergangenen Monaten die Vermittlungschancen von Arbeitslosen weiter gesunken. Immer mehr Jobsucher rangeln um ein kleiner werdendes Stellenangebot, wie aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.

<P>Die mit hohen Regierungs-Erwartungen begleitete Reform des Arbeitsmarktes droht angesichts dieser Entwicklung wirkungslos zu verpuffen. Nach Erkenntnissen der Nürnberger Arbeitsmarktforscher ist die Zahl der von Unternehmen angebotenen Stellen im Durchschnitt des vierten Quartals 2004 auf 790 000 gesunken. Noch im Jahr 2000 waren es rund doppelt so viele. Die Gründe sind keineswegs überraschend: Als wichtigstes Einstellungshemmnis nennen rund 30 Prozent aller befragten Betriebe zu wenig Aufträge oder zu wenig Umsatz. Noch im Herbst hatten nur 21 Prozent dies als Hinderungsgrund für die Schaffung neuer Arbeitsplätze genannt. Umgekehrt profitieren die Unternehmen von der immer größer werdenden Zahl qualifizierter Arbeitsloser. Nur fünf Prozent der Arbeitgeber im Osten und vier Prozent im Westen klagen bei der jüngsten IAB-Befragung über einen Mangel an geeigneten Kräften.<BR><BR>Sorge bereitet unterdessen den örtlichen Arbeitsagenturen, dass zunehmend auch qualifizierte Kräfte in den Sog der Arbeitslosigkeit geraten - und ihm immer schwerer entkommen. Denn inzwischen ist das Stellenangebot für qualifizierte Beamte und Angestellte kaum besser als das für un- oder angelernte Arbeiter - ein Befund, der auch die IAB-Wissenschaftler überraschte. Schließlich waren in den vergangenen Jahren in der Industrie vor allem Jobs für gering Qualifizierte abgebaut worden.<BR><BR>Jobsucher sollten nach IAB-Einschätzung ihr Augenmerk bei Bewerbungen vor allem auf kleinere und mittlere Unternehmen richten. Denn mehr als die Hälfte der zwischen Oktober bis Ende Dezember 2004 angebotenen Stellen stammte von Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern. Am häufigsten waren Betriebe mit einem bis neun Beschäftigten auf der Suche nach neuen Kollegen, am seltensten Großbetriebe mit 1000 Beschäftigten und mehr.<BR><BR>Dabei setzen Unternehmen der Befragung zufolge bei der Besetzung von freien Jobs wesentlich stärker als noch vor einigen Jahren auf die so genannte interne Suche: Mehr als 40 Prozent der freien Jobs wurden über die Empfehlung eigener Mitarbeiter, andere persönliche Kontakte oder nach erfolgreichen Praktika vergeben. Wachsende Bedeutung erhalten zudem Internet-Jobbörsen, der sich Unternehmen nach der IAB-Studie inzwischen in rund 35 Prozent der<BR>Bedeutung der Agenturen für Arbeit schwindet</P><P>Fälle bedienen.<BR><BR>Die Rolle der örtlichen Arbeitsagenturen bei der Jobvermittlung scheint zumindest auf den ersten Blick zu schwinden. Nach IAB-Feststellungen hatten die Firmen im vierten Quartal 2004 den Agenturen 17 Prozent weniger Stellen gemeldet als im Jahr zuvor. Besonders stark sank die Meldequote in Ostdeutschland. Inzwischen schalteten Unternehmen die Agenturen nur noch bei 30 Prozent der zu vergebenden Jobs direkt ein. Immer mehr nutzten allerdings die Internet-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA).<BR></P>

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