Kein Ende des Milch-Lieferboykotts in Sicht

Berlin - Die deutschen Milchbauern wollen ihren Lieferboykott unvermindert fortsetzen, um höhere Preise zu erzwingen. Gespräche zwischen Vertretern der Bauern und der Milchindustrie brachten in der Nacht zu Montag keinen Durchbruch.

Jetzt setzen die Bauern ihre Hoffnungen in Gespräche mit Vertretern des Lebensmittel-Einzelhandels. Diese sollen noch an diesem Montag stattfinden, sagte der Sprecher des Deutschen Bauernverbands (DBV), Michael Lose, am frühen Montagmorgen in Berlin. Ort und Zeit seien aber noch nicht vereinbart. Am Wochenende hatte es in zahlreichen Bundesländern Proteste gegeben. In Sachsen und Bayern blockierten Bauern noch in der Nacht zu Montag eine Molkerei.

Hauptforderung des DBV und des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) an die Lebensmitteleinzelhandel werde an diesem Montag sein, die Preissenkung für Milch und Milchprodukte vom 21. April zurückzunehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten die Bauern für einen Liter Milch noch mehr als 40 Cent bekommen. Inzwischen seien es nur noch 27 bis 35 Cent, sagte Lose.

Sobald der Einzelhandel von seinen Kunden höhere Preise für Milch verlange und entsprechend mehr an die Molkereien zahle, müsse dieses Geld bei den Bauern ankommen, forderte der DBV-Sprecher. Dies habe die Molkereiwirtschaft, die in der Lieferkette zwischen den Bauern und dem Einzelhandel steht, bei dem Gespräch in der Nacht zu Montag auch zugesichert.

In zahlreichen Bundesländern setzten die Milchbauern ihren Lieferboykott am Wochenende fort. In Leppersdorf in Sachsen blockierten rund 200 Milchbauern auch in der Nacht zu Montag die Zufahrt zur Sachsenmilch-Molkerei. Mit acht Traktoren, Autos, Fuhrwerken und Lastwagen blockierten sie die Zufahrt zu dem Werk, das zur Müller-Gruppe gehört. In Oberschönegg in Bayern fuhren am Sonntagabend ab 21.00 Uhr rund 100 Traktoren zu einer Molkerei der Firma Ehrmann. Laut Polizei in Memmingen kündigten sie an, die Molkerei bis Montagvormittag zu blockieren.

Am Samstag und Sonntag blockierten mehr als 100 Bauern die größte thüringische Molkerei in Erfurt. 50 Milchbauern hinderten am Samstagnachmittag in der Nähe von Eschlkam (Bayern) tschechische Milchtransporter an der Weiterfahrt nach Deutschland. In Rheinland- Pfalz konnte am Samstag wegen einer Blockade kein Lastwagen mehr die Molkerei Milch-Union Hocheifel in Pronsfeld anfahren. Nach Aussage des BDM blockierten Bauern am Samstag auch Standorte der Molkerei Hochwald in Thalfang im Hunsrück, Kaiserslautern und Saarbrücken.

Produzenten und Handel sind unterschiedlicher Auffassung darüber, ob der Streik zu Lieferengpässen führen könnte. Während der BDM deutliche Auswirkungen auf die Molkereien angekündigt hatte, widersprach der Verband der privaten Milchwirtschaft. Lieferengpässe oder leere Regale seien nicht zu befürchten. Inzwischen werde auch Milch aus Norddeutschland an bayerische Molkereien verkauft.

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