Kein freier Samstag, kein Urlaub: Ansturm auf Lebensversicherung

- München - Bei den Lebensversicherungen geht zum letzten Mal die Post ab. Hunderttausende Kunden rennen den Vertretern die Türen ein, um sich vor Jahresende noch die steuerfreien Kapitalerträge zu sichern.

<P class=MsoNormal>"Dieser Boom übertrifft alle Erwartungen", sagte der Vertriebschef der Allianz, Hansjörg Cramer. Nach dem großen Schlussverkauf erwarten Experten nur eine kurze Verschnaufpause. Ein Ladenhüter soll bald der neue Renner werden: die Riester-Rente. "Private Altersvorsorge bleibt auf jeden Fall eine Wachstumsbranche", erklärt der Versicherungs-Analyst Ralf Dibbern von M.M.Warburg und verweist auf die wachsende Rentenlücke.</P><P class=MsoNormal>In diesem Jahr hat die deutsche Versicherungswirtschaft insgesamt 152 Milliarden Euro Prämien von ihren Kunden kassiert, davon gut 70 Milliarden für Lebensversicherungen - ein Plus von jeweils 3,5 Prozent, wie der Gesamtverband GDV mitteilte.</P><P class=MsoNormal>Dabei lief das Geschäft noch bis zum Herbst eher schlecht. Die Unternehmen verzeichneten eine Flut besorgter Anfragen, weil die Lebensversicherungen beim neuen Arbeitslosengeld II zum Geldvermögen gerechnet werden. Zum Jahresende schürt die Versicherungswirtschaft die Torschlusspanik: Wer eine Kapital-Lebensversicherung noch bis 31. Dezember 2004 abschließt, bekommt sie später steuerfrei ausbezahlt. Bei Neuverträgen ab Neujahr dagegen kassiert der Fiskus mindestens die Hälfte.</P><P class=MsoNormal>Der Ausverkauf stellt alle Rekorde ein. Die Allianz verkaufte im Dezember mehr Lebensversicherungen als in irgendeinem Monat je zuvor. Die Vertreter hätten so viele Termine wie noch nie, und "der Innendienst arbeitet auch samstags und verzichtet auf Urlaub", sagt Sprecher Timo Scheil. Bis zum letzten Tag soll es rundgehen. Aber was kommt danach?</P><P class=MsoNormal>Eine Delle, sagen die Experten unisono. Für 2005 erwartet der GDV nur noch 1,5 Prozent Wachstum bei den Lebensversicherungen wie in der Branche insgesamt.</P><P class=MsoNormal>Der Vertrieb werde erst mal durchschnaufen, und dann würden die Vertreter auf die neue Rürup-Leibrente umgeschult, sagt Scheil. Die lebenslange Rentenversicherung, "das ist der große Trend der Zukunft".</P><P class=MsoNormal>"Riester ist dieses Jahr schlecht gelaufen", sagt Scheil. "Aber wir gehen davon aus, dass das nächste Jahr eine Renaissance der Riester-Rente bringen wird." Der Zulagen-Antrag sei jetzt einfacher, mit den Beiträgen wüchsen die Zulagen, und künftig sei eine Auszahlung von 30 Prozent möglich.</P><P class=MsoNormal>Auch der GDV erwartet "ein größeres Geschäft bei Riester und bei der betrieblichen Altersvorsorge". Die Werbung für die Riester-Rente werde 2005 zunehmen, und die Bürger sähen allmählich, "dass da richtig Cash rüberkommt" vom Staat. Einig sind sich die Experten, dass das Geschäft mit der Altersvorsorge langfristig weiter blühen wird. Der Nachholbedarf "sichert den Lebensversicherern das Geschäft der nächsten Jahre", sagt Scheil.</P><P class=MsoNormal>Die Alterspyramide zwingt aber nicht nur die gesetzliche Renten-, sondern auch die Krankenkassen zu Einschränkungen - und das bringt den privaten Krankenversicherungen neue Kunden. Sie legten in diesem Jahr kräftig um sieben Prozent zu, für kommendes Jahr erwartet die Branche fünf Prozent Wachstum. Der Boom bei den Zusatzversicherungen halte an, heißt es bei der Allianz.</P><P class=MsoNormal>Die Schaden-Unfall-Versicherungen machen dank niedriger Aufwendungen zwar Gewinn, aber ihr Geschäft stagniert. Allenfalls noch ein Prozent Wachstum erwartet der GDV im neuen Jahr. "Die Märkte sind gesättigt. Viel mehr Autos wird es in Deutschland nicht geben, und schon 77 Prozent der Deutschen haben eine Hausratversicherung", erklärt Dibbern. Die gute Nachricht für die Autofahrer: Die Kfz-Prämien werden laut GDV stabil bleiben.</P><P class=MsoNormal>Für die Versicherungs-Aktionäre ist der Ausblick eher positiv. Die Aktienkurse sind so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Aber die Börse ist im Aufwind, die Versicherungen haben die Krise verdaut und verdienen wieder Geld. Die Allianz übertraf mit einem Überschuss von 1,8 Milliarden Euro bis September bereits den gesamten Vorjahresgewinn, die Münchener Rück peilt einen Rekordgewinn von über 1,8 Milliarden Euro an.</P>

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