Kein Händedruck - Ende des Bahn-Tarifkonflikts noch nicht erreicht

Berlin - Kein demonstrativer Händedruck, kein gemeinsames Lächeln für die Fernsehkameras. Zum mühsam erreichten Abschluss ihrer Tarifverhandlungen verzichteten Bahnchef Hartmut Mehdorn und der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, auf die üblichen Gesten. Ein Vertrag ist aber noch nicht abgeschlossen.

Getrennt gaben der bundeseigene Konzern und seine kleinste Arbeitnehmerorganisation die Einigung auf mehr Geld und einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer bekannt - erschöpft und am Ende sichtlich erleichtert. Doch das Ende des zehn quälende Monate dauernden Konflikts ist damit noch nicht erreicht. Damit der Vertrag am 1. März in Kraft treten kann, müssen noch brisante Streitfragen mit den größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA geklärt werden.

Zweifel an der Verständigung wollen die Rivalen nun aber nicht mehr aufkommen lassen. "Das Schöne an jedem Konflikt und an jedem Tarifkonflikt ist, dass er mal zu Ende geht", sagte eine lächelnde Bahn-Personalchefin Margret Suckale nach der letzten Gesprächsrunde am Mittwochabend in der Konzernzentrale in Berlin. Eine Stunde zuvor hatte da schon ihr Verhandlungspartner Schell in einem Solo-Auftritt konstatiert, man könne "sicherlich von einem historischen Tag in der Geschichte der GDL und der Bahn" reden. Der künftige Tarifvertrag bringt im Kern ein Einkommensplus von elf Prozent und sichert der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) eigenständige Verhandlungsmacht und Einfluss im Unternehmen.

Dass wichtige Fragen, die den Beteiligten von Anfang an Kopfzerbrechen bereiteten, noch immer ungelöst sind, räumt auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ein. Es seien noch "die letzten Hürden aus dem Weg zu räumen", sagte er nach der Einigung vom Mittwoch. Als Vertreter des Bahn-Eigentümers Bund hatte der SPD-Mann das Unternehmen und die GDL immer wieder zur Einigung gedrängt.

Die erste Hürde müssen die Gewerkschaften alleine überspringen. Die Partner Transnet und GDBA haben sich mit der konkurrierenden GDL noch nicht auf verbindliche und langfristige Formen der Zusammenarbeit einigen können. Sie ist notwendig, um das neue Tarifmodell mit sechs Einzelverträgen für Berufsgruppen zusammenzuhalten. Einen neuen Einigungsversuch wollen alle drei am nächsten Mittwoch unternehmen. Gelingt dieser, muss dann noch die Bahn dem Regelwerk zustimmen. Sie erwartet, dass die Modalitäten der Kooperation innerhalb von zwei Wochen geklärt werden können.

Sicher ist das ebenso wenig wie der erfolgreiche Ausgang eines Spitzentreffens der drei Gewerkschaftsvorsitzenden mit Mehdorn in der kommenden Woche. Dabei wollen die Vier sich endlich über die Einstufung von rund 2900 Lokrangierführer verständigen. Bleiben sie tariflich in der Berufsgruppe der Rangierer oder werden sie künftig nach dem Lokführertarif bezahlt? Für Transnet und GDBA geht es dabei auch ums Prestige, denn die meisten Lokrangierführer sind bei ihnen organisiert.

Schließlich gibt es noch einen Dissens über die geplante Neueinstellung von rund 1300 Lokführern in diesem Jahr. Um "flexibel" zu bleiben, will die Bahn sie bei ihrer Tochter DB Zeitarbeit einstellen. Die GDL möchte sie dagegen in ihren Tarifvertrag holen.

Für die Fahrgäste dürfte der Konflikt derweil kaum noch böse Überraschungen bringen. Denn dass die Auseinandersetzung wieder derart hochkocht wie bei den bundesweiten Streiks im Herbst, wollen sich nicht einmal die Streithähne selbst ausmalen. Einstellen müssen sich Pendler und Fernreisende allerdings auf eine von Mehdorn schon angekündigte unerfreuliche Konsequenz der Tarifrunde: Da die Lohn-Aufschläge für alle Gewerkschaften in der Fünf-Jahres-Planung des Konzerns mit 1,6Milliarden Euro mehr zu Buche schlagen als zunächst kalkuliert, soll eine erneute Preiserhöhung kommen. Wann Tickets nach der jüngsten Anhebung um durchschnittlich 2,9 Prozent Anfang Dezember das nächste Mal teurer werden, steht aber noch nicht fest.

Sascha Meyer und Bernd Röder (dpa)

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