Kein Problem mit der 50-Stunden-Woche

- München - "Man muss gesetzlich verhindern, dass Selbständige sich selber ausbeuten", soll ein Gewerkschaftsfunktionär einmal gefordert haben. Aber ihm hörte keiner zu: Die Selbständigen arbeiten heute laut einer Umfrage im Schnitt deutlich länger als der Rest der Bevölkerung. In Bayern bringen es zwei Drittel von ihnen auf mehr als 50 Wochenstunden, ein Drittel schafft sogar über 60. Dabei arbeiten vier von fünf Selbständigen immer oder häufig an Sams- und Sonntagen. Und außerdem: Gut 60 Prozent nehmen sich pro Jahr nicht mehr als 15 freie Tage.

<P>"Diese Ergebnisse kommen dem Klischee, dass für sie die 35-Stunden-Woche schon am Mittwoch vorbei ist, sehr nahe", sagte Fritz Wickenhäuser, Präsident des Bund der Selbständigen in München. Sein Verband hatte in Kooperation mit der Fachhochschule München 601 der 22 000 Mitgliedsunternehmen aus Handel, Handwerk, Industrie, Bau und sonstigen Dienstleistungen befragt. Die Mehrheit davon zeigte sich trotz des hohen Arbeitspensums mit dem Selbständigen-Status zufrieden: Fast 60 Prozent der Befragten haben es noch nie oder nur selten bereut, einen eigenen Betrieb aufgemacht zu haben. Nur gut fünf Prozent ärgern sich häufig über diesen Schritt.<BR><BR>Eine eher positive Sichtweise zeigte sich auch bei der Einschätzung der Geschäftslage. Zwar sind etwa ein Drittel der Befragten der Meinung, dass es derzeit schlecht steht. Dafür erwarten aber ebensoviele, dass sich die Lage im nächsten halben Jahr wieder verbessert. "Die Zukunft sehe ich nicht negativ", sagt auch Fritz Wickenhäuser, der in München ein Hotel betreibt. Allerdings dürfte das kaum Effekte auf den Arbeitsmarkt haben: Drei Viertel der Unternehmen erwarten gleichbleibende Beschäftigtenzahlen, nur 8,6 Prozent wollen Personal einstellen.<BR><BR>Gegängelt und gebremst sehen sich die Selbständigen von der staatlichen Bürokratie. Insgesamt kritisierten über 75 Prozent, dass der Verwaltungsaufwand im Unternehmen zu hoch sei. Fast die Hälfte der befragten Unternehmer regten einen Abbau von Vorschriften an. Einer notierte auf seinen Fragebogen: "Die Hälfte der Beamten gehören weg, dafür sollte die öffentliche Hand mehr investieren."</P>

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