Kein Schuldenerlass für korrupte Regime

- Nairobi - Von den Finanzministern in dunklen Anzügen zu den Fulani-Nomaden, die am Stadtrand der nigerianischen Hauptstadt Abuja in Strohhütten hausen - Weltbankchef Paul Wolfowitz musste sich schnell auf neue Umgebungen einstellen. Die Reise nach Afrika folgt seiner Ankündigung, die Bekämpfung der Armut in Afrika in den Mittelpunkt zu stellen.

<P>Einen Schritt haben die G8-Nationen nun getan: Einigen der ärmsten Länder der Welt wurden ihre Schulden erlassen. Das ist umstritten. Einerseits scheint es absurd, dass Länder mehr Geld für den Schuldendienst zahlen, als sie in Bildung oder Gesundheit ihrer Bevölkerung investieren können. Doch könnten sich korrupte Regierungen durch die Befreiung von der Schuldenlast ermuntert fühlen.<BR><BR>In den 18 Ländern, denen die Schulden mit sofortiger Wirkung erlassen werden, herrscht Freude. Die Regierungschefin von Mosambik, Luisa Diogo, kündigte an, das Geld gleich in das Sozialsystem zu investieren. Die Schulden der 18 Länder, von denen 14 in Afrika liegen, betragen etwa 40 Milliarden Dollar.<BR><BR>Einige große Schuldner wie Kenia oder Nigeria sind jedoch nicht in dieser Gruppe. Beide Länder gelten als zu korrupt. "Kenia ist schockiert", titelte die Zeitung "The Standard" am Montag. In dem ostafrikanischen Land entspricht die Schuldenlast mehr als der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts. Mehrere kenianische Politiker warfen den G8-Ländern vor, ihr Land unter Druck zu setzen, indem sie Kenias Handelspartner Ruanda, Tansania und Uganda entschuldeten, nicht aber Kenia.<BR><BR>Nigeria, das derzeit etwa 36 Milliarden Schulden hat, gab sich gelassener. "Wir bekämpfen Korruption nicht für jemanden anderes, sondern vor allem für uns selbst", sagte ein Kabinettsmitglied. Das Abkommen der G8-Finanzminister sieht vor, dass weitere Länder von ihren Schulden befreit werden können, wenn sie "gute Regierungsführung" nachweisen können.<BR></P>

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