Kein Wirtschaftswunder durch die Fußball-WM

- Berlin - Die Fußball-Weltmeisterschaft hat der deutschen Konjunktur aus Expertensicht kaum zusätzliche Punkte gebracht. "Wie erwartet, hat es leider kein Wirtschaftswunder auf Grund der WM gegeben", sagte Konjunkturexperte Dirk Ulbricht vom Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung.

Für das Konsumklima sei aber durchaus von positiven Effekten auszugehen, sagte der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther: "Die enorm gute Stimmung der WM kann die Klimaaufhellung verstärken." Ein nachhaltiger Schub für die wirtschaftliche Entwicklung sei von einem vierwöchigen Spektakel aber nicht zu erwarten, sagt Udo Ludwig, Konjunkturexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle. "Die WM ist vergänglich."

Für die Hochphase im Juni und Juli sei von einer beflügelnden Wirkung zumindest für einige Branchen auszugeben, etwa für die Getränkeindustrie. Auch Fanartikel-Anbieter verzeichneten einen Boom, die Produktion liege aber meist nicht in Deutschland, sondern in Billiglohnländern.

Beim Konsum dürfte die WM im Inland weitgehend Verlagerungen zur Folge gehabt haben, analysierte Konjunkturexperte Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. "Wer einen Flachbildfernseher kauft oder Geld für Tickets ausgegeben hat, muss an anderen Stellen sparen." Dass die deutsche Nationalelf den Einzug ins Finale verpasst habe, spiele für die Konjunktur aber kaum eine Rolle.

Am Arbeitsmarkt sei nicht mehr als eine vorübergehende Belebung zu sehen, sagte Konjunkturexperte Hüther. "Es handelt sich dabei nur um Zeitjobs, etwa in der Gastronomie oder im Handel."

Aus Sicht der Hamburger Konjunkturinstitute HWWA/HWWI haben sportliche Großereignisse generell nur kurzfristige Impulse. Die Organisation des WM-Spektakels helfe dem Gastgeberland aber sicher, "Made in Germany" langfristig als Marke zu stärken.

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