Keine Angst vor dem Bohrer: Diese Rechte haben Patienten

- Kaum ein Berufsstand ist jüngst so unter Beschuss geraten wie die Zahnärzte. Im Zusammenhang mit der Praxisgebühr für Vorsorgeuntersuchungen und der Kostenerstattung wurde den Doktoren "kriminelles Handeln" nachgesagt. Ein jetzt erschienener Magazinbericht trägt den Titel "Zahnärzte: Abgezockt, geschlampt und gepfuscht". Was Patienten beim Praxisgang wissen sollten:

<P>Vorwurf: Schlamperei</P><P>Es ist ein erschreckendes Urteil über Zahnärzte, das die Zeitschrift "Ökotest" in der aktuellen Ausgabe fällt: "Falsche Diagnosen, unverschämte Abzocke und jede Menge unsinniger Maßnahmen stehen auf der Tagesordnung." Eine Testperson hatte 20 Praxen besucht und höchst Unterschiedliches zu hören bekommen. Während es einmal hieß, sie hätte "schöne gepflegte Zähne", lautete das Urteil ein anderes Mal "Sanierungsfall". Ebenso uneinheitlich waren die für die Therapie vorgeschlagenen Behandlungskosten: Sie schwankten zwischen 175 und 9000 Euro. Gleichzeitig seien notwendige Behandlungen unterblieben. Beherrschen die Zahnärzte ihr Handwerk nicht?</P><P>"Doch", heißt es bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayern (KZVB). Es sei "völlig normal", dass Kollegen zu unterschiedlichen Diagnosen kommen. Selbst in der Medizin gebe es nicht nur eine Wahrheit. So vertreten die Dentisten beispielsweise bei der Behandlung von Löchern unterschiedliche Ansichten: "Manche bohren erst, wenn sich die Stelle braun verfärbt, andere schon, wenn der Zahnschmelz noch weißlich ist." Um die Gesundheit bräuchte sich deswegen aber niemand fürchten. Auch die Abweichungen bei den Kosten seien nicht ungewöhnlich: "Es gibt die Standardversorgung und die Luxusversorgung", erklärt ein KZVB-Sprecher. "Allerdings gibt es auch bei uns, wie überall, schwarze Schafe."</P><P>Kostenerstattung</P><P>Ein anderer Kritikpunkt, der in den vergangenen Wochen in den Zahnarztpraxen angeprangert wurde, ist die so genannte Kostenerstattung. Sie erlaubt es gesetzlich versicherten Patienten seit Anfang des Jahres, sich auf Rechnung behandeln zu lassen. Für die Ärzte ein Vorteil, denn sie können nun Leistungen abrechnen, die sie über die Chipkarte nicht erstattet bekommen würden - weil sie nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen stehen. Infolge dieser Neuregelung waren Fälle bekannt geworden, in denen Doktoren ihre Patienten gedrängt hatten, die Kostenerstattung bei der Kasse zu beantragen. Die ARD-Sendung "Panorama" wertete dieses Vorgehen als "kriminell".</P><P>"Das Drängen zur Kostenerstattung ist rechtswidrig", erklärt denn auch ein Sprecher der AOK. Patienten sollten sich in jedem Fall von der Krankenkasse beraten lassen, da die Erstattung ein finanzielles Risiko darstelle. Sie läuft über ein Jahr und gilt für alle ambulanten ärztlichen Behandlungen, also auch beim Hausarzt.</P><P>Vorsorgeuntersuchung</P><P>Ebenso rechtswidrig wie die Kostenerstattung ist das Einziehen der Praxisgebühr bei Vorsorgeuntersuchungen. Darunter versteht man die Kontrollgänge zwei Mal im Jahr, bei denen der Arzt den Zustand der Zähne prüft. Als die Bundesregierung die Gebühr am 1. Januar einführte, war zwischen der KZVB und dem bayerischen Sozialministerium ein Streit entbrannt, ob die Patienten auch bei diesen Kontrollen die zehn Euro zahlen müssen. Mittlerweile hat sich Ministerin Christa Stewens (CSU) durchgesetzt: Die Patienten müssen die Gebühr nicht bei Vorsorgeuntersuchungen entrichten. Gezahlte Entgelte sind zurückzuzahlen. Weigert sich ein Arzt, dass Geld wieder rauszurücken, sollte man sich bei seiner Krankenkasse melden. "Wir hefen unseren Versicherten", verspricht die AOK.</P>

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