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Keine Atempause für Mehdorn nach dem Durchbruch im Tarifkonflikt

Berlin - Der Rauch der heftigen Tarifschlacht verzieht sich langsam - doch an eine Atempause kann Bahnchef Hartmut Mehdorn nicht denken. Nach dem mühsam erreichten Durchbruch mit Manfred Schell, dem Chef der Lokführergewerkschaft GDL, haben die Experten beider Seiten jetzt noch komplizierte Details für einen endgültigen Abschluss zu klären.

Dabei muss Mehdorn auch die größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA an Bord halten, die mit Argusaugen über die Abmachungen mit der konkurrierenden GDL wachen. Die satten Lohnaufschläge müssen in der Bilanz verkraftet werden. Und der nächste Konflikt zieht schon herauf: Nach den Landtagswahlen in Hessen, Niedersachsen und Hamburg dürfte der geplante Börsengang der Bahn wieder auf die Agenda kommen.

Dass der Tarifstreit auf den letzten Metern noch einmal hochkocht, wollen die Beteiligten tunlichst vermeiden. "Wir sind zu 99 Prozent sicher, dass nichts mehr dazwischen kommen wird", versicherte Schell am Montag. Und fuhr fort: "Was noch offen ist, ist nichts mehr, um das Gesamtwerk zu gefährden." Bahn-Personalvorstand Margret Suckale hatte bereits am Sonntag beteuert, die "noch offenen Punkte" seien rasch zu lösen und eine Einigung noch in dieser Woche möglich. Doch wie die auf Chefebene vereinbarten Eckpunkte in einen detaillierten Tarifvertrag gefasst werden, ist noch nicht genau klar.

Mit den verabredeten 11 Prozent mehr Geld schneiden die Lokführer auf den ersten Blick besser ab als die übrigen Bahnmitarbeiter. Doch ein Vergleich ist schwierig, denn die Tarifergebnisse haben diverse Komponenten. Transnet und GDBA vereinbarten mit der Bahn außer 4,5 Prozent Einkommensplus zum 1. Januar 2008 auch eine neue Entgeltstruktur. Sie führt dazu, dass jeder einzelne Bahner bis Ende 2010 garantiert 10 bis 14 Prozent mehr in der Tasche haben wird. Darin sind die 4,5 Prozent enthalten.

Für die Lokführer lässt sich nach den bekanntgewordenen Eckdaten folgende Rechnung aufmachen: Sie bekommen bis September einen Lohnaufschlag von 11 Prozent. Das ist ein Durchschnittswert. Für den einzelnen Lokführer springen mindestens 7 und höchstens 15 Prozent heraus. Teile der Einkommenssteigerung ergeben sich aus der neuen, eigenen Entgeltstruktur für die Lokführer. Der GDL-Tarifvertrag läuft genau wie der Lohnabschluss von Transnet und GDBA bis 31. Januar 2009, danach wird wieder übers Geld verhandelt. Die GDL hat außerdem eine Arbeitszeitverkürzung von 41 auf 40 Stunden durchgesetzt, die im Februar 2009 wirksam wird. Die Lokführer arbeiten dann also fürs gleiche Geld 2,5 Prozent weniger.

Dass all dies auf die Kalkulation durchschlagen wird, hat Mehdorn schon klargemacht - allein der 4,5-Prozent-Abschluss mit Transnet und GDBA lässt die Personalausgaben in den nächsten fünf Jahren um gut eine Milliarde Euro steigen. Dazu kommt jetzt der Aufschlag für die GDL. Vorerst ist offen, ob dies mit Rationalisierung aufzufangen ist oder auch die Kunden wieder mit höheren Ticketpreisen rechnen müssen.

Auf der politischen Bühne bereitet sich Mehdorn derweil auf eine weitere Weichenstellung für die Zukunft des Konzerns vor. Nach der Bürgerschaftswahl in Hamburg am 24. Februar dürfte sich ein relativ kurzes Zeitfenster öffnen, in dem die Politik über einen Börsengang entscheiden kann. Gelingen kann das wohl nur bis zur Jahresmitte, bevor der Bundestagswahlkampf aufzieht, schwant dem Bahnchef.

Doch das jüngste Privatisierungsmodell, wonach Investoren nicht am Gesamtkonzern, sondern nur an einer Unter-Holding für den Personen- und Gütertransport Anteile kaufen, ist zwischen Union und SPD umstritten. Sollte gar keine Entscheidung mehr fallen, werde die bisherige "Erfolgsstrategie" infrage gestellt, warnte Mehdorn vor kurzem. "Die Gefahr, dass wir zurückschrumpfen zu einer nationalen Hin- und Herfahr-Bahn, die dann dem Staat wieder auf der Tasche liegt, ist groß."

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