Keine Chance für Bernotat

Eons Übernahme von Endesa gescheitert: - Düsseldorf - Da wähnte sich Eon-Chef Wulf Bernotat in Spanien fast am Ziel - und nun wirft er das Handtuch. Eon ist bei der geplanten Übernahme des spanischen Stromversorgers Endesa gescheitert. Die Konkurrenten um den italienischen Versorger Enel und den spanischen Konzern Acciona haben den deutschen Riesen in die Schranken verwiesen. Daran ändert auch die Vereinbarung über die Abgabe von Endesa-Beteiligungen nur wenig.

Bernotat hatte alles aufs Spiel gesetzt, um zum Zuge zu kommen. Enttäuscht ist der Vorstandschef schon, lässt es sich aber kaum anmerken. "Es war eine spannende Zeit", sagt Bernotat rückblickend auf den 13 Monate dauernden Übernahmekampf, "und wir haben viel gelernt." Und dann räumt er unumwunden ein: "Wir haben nicht bekommen, was wir wollten." Und trotzdem, als gescheitert sieht Bernotat den Ausflug nach Spanien keineswegs an. Immerhin handelte er ein umfangreiches Paket von Endesa-Beteiligungen in Spanien, Frankreich und Italien heraus, die Eon "nur" zehn Milliarden Euro kosten. Doch das ist der Spatz in der Hand.

Die Taube auf dem Dach haben jetzt andere erlegt: In den Augen von Börsianern und Aktionären war Endesa der lang ersehnte große Akquisitionsschritt. Und solche Möglichkeiten gibt es in der Branche nur wenige. Der Eon-Kurs stieg. Bernotat ließ sich in Spanien durch kein Störmanöver aus der Ruhe bringen - nicht durch das Auffahren juristischer Geschütze, durch politische Scharmützel oder Auflagen.

Eon war nicht willkommen in Spanien. Bernotat unterschätzte möglicherweise das politische Ränkespiel und Strippenziehen. Und dann antwortet er schon fast trotzig: "Wir werden immer den Regeln des Gesetzes folgen" - auch wenn andere sich nicht daran halten sollten.

Mehrmals legte Eon beim Preis nach und zeigte, welche Summen der Konzern zu zahlen im Stande ist: Von ursprünglich 29 Milliarden auf zuletzt 42 Milliarden Euro in bar. Den Mitbieter Gas Natural hatte Eon schon aus dem Feld geschlagen, dann klopfte ein anderer an. Der Eintritt des italienischen Konkurrenten Enel vor wenigen Wochen zwang Bernotat in die Knie. Verbündet hatten sich die Italiener mit dem schärfsten spanischen Widersacher, dem Mischkonzern Acciona. Gemeinsam halten die beiden bereits 46 Prozent an Endesa.

Bernotat rechnete sich noch Chancen aus, einen der beiden zum Rückzug zu bewegen - vergebens. "Enel und Acciona dürfen sich wie eine Fußballmannschaft fühlen, die das Endspiel durch einen herausgeschundenen Elfmeter für sich entschieden hat", sagt Reiner Haier von der Landesbank Baden-Württemberg. Bis fünf Uhr morgens verhandelten die drei Unternehmen am Montag, dann stand der Kompromiss. Doch das ist für Bernotat schon fast Geschichte und einen Schuldigen für die Niederlage will er nicht suchen: "Es geht darum, nach vorne zu blicken und die Geschäfte zu entwickeln."

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