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Keine Eile bei der Verkaufsparty: Auf was Besucher achten sollten

- Immer mehr Vorratsdosen, Kerzen, Dessous, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmittel und Tierfutter werden bei Verkaufspartys vermarktet. Mehr als jeder zehnte Bürger hat in den vergangenen zwölf Monaten an einer solchen Party teilgenommen, ergab eine Prognos-Studie, die der Bundesverband Direktvertrieb in Auftrag gegeben hatte. Doch auf diesem Wachstumsmarkt tummeln sich auch schwarze Schafe - auf der Suche nach Käufern und Verkäufern.

Vor dem Kauf und vor der ersten eigenen Party sollte deshalb die Seriosität der Firma überprüft werden. Ein Vorteil und gleichzeitig ein Problem von Verkaufspartys ist ihr geselliger Charakter: Eine Gastgeberin lädt Freunde und Bekannte ein. Hinzu kommt eine Beraterin, die ein kleines Begrüßungsgeschenk überreicht und dann ihre Artikel vorstellt. Die meisten dieser Produkte haben einen hohen Erklärungsbedarf. Gleichzeitig gibt es die Möglichkeit, die Ware eingehend zu prüfen - "in aller Ruhe, auf bequeme und gesellige Art und Weise", erläutert Daniel Marschke, Sprecher des Bundesverbandes Direktvertrieb. Am Ende der Veranstaltung wird bestellt.

Die Gastgeberin möchte man nicht enttäuschen. So entsteht leicht ein gewisser Kaufdruck, beobachtet Anke Kirchner, Juristin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Zudem lasse man sich von Bekannten leichter überreden. Wer sich dieser Gefahr bewusst ist, erliegt ihr nicht ganz so leicht.

Ein wesentliches Seriositätszeichen ist, dass die Beraterin ausführlich über die Bezahlungsform, Garantieleistungen und vor allem das Widerrufsrecht informiert, erklärt Verbands-Sprecher Marschke. Auf Vorkasse sollte man sich auf keinen Fall einlassen. Für Garantieleistungen und Widerrufsrecht muss aus der Kaufvereinbarung eindeutig hervorgehen: Ist die Beraterin oder die Firma der Vertragspartner und damit im Zweifelsfall der Ansprechpartner des Käufers?

Aus juristischer Sicht sind Verkaufspartys Haustürgeschäften gleichgestellt. Es gilt das gesetzliche Widerrufsrecht: Ein Kunde kann den Vertrag innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen widerrufen. Von diesem Widerrufsrecht sind Waren mit einem Wert von unter 40 Euro ausgeschlossen, wenn sie direkt übergeben werden. Die 34 Mitglieder des Bundesverbandes Direktvertrieb (Internet: www.bundesverband-direktvertrieb.de) haben sich zu einem erweiterten Widerrufsrecht verpflichtet, bei dem diese Einschränkung nicht gilt. Darüber hinaus gibt es bei einzelnen Firmen verlängerte Fristen.

Oft werden aus dem Kreis der Party-Gäste neue Beraterinnen geworben. Diese sollten die Seriosität der Firma unter weiteren Gesichtspunkten prüfen. Müssen finanzielle Vorleistungen erbracht oder Umsatzvorgaben erfüllt werden, so sind das genauso Alarmzeichen wie große Gewinnversprechungen. Neulinge werden entweder durch andere Beraterinnen oder durch Schulungen eingeführt. Auch wer sich als Vertreter im Nebenberuf selbstständig macht, sollte zusätzlich eine Existenzgründerberatung bei einem Job-Center oder einer Industrie- und Handelskammer in Anspruch nehmen, rät Knut Diekmann, Weiterbildungsexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Dort wird intensiv zu formalen und rechtlichen Fragen wie Gewerbeschein, Steuerrecht, Versicherungen und eventuell staatlichen Zuschüssen beraten.

Viele dieser Aspekte werden nach Diekmanns Einschätzung erst beachtet, wenn es zu spät ist. Was passiert, wenn eine Beraterin eine Creme verkauft, die Kundin einen allergischen Schock erleidet und ein Rechtsstreit entsteht? Wer bezahlt eine teure Kristallschüssel, wenn sie bei der Präsentation runterfällt und zerbricht? Solche Fälle müssen mit der Firma geklärt werden, doch sie können in einer Beratung zumindest aufgeworfen werden, sagt Diekmann.

Zudem kann mit Hilfe von Checklisten die Wirtschaftlichkeit der Tätigkeit hinterfragt werden. Mit um die 20 Prozent Provision sind die Beraterinnen am Umsatz beteiligt. Doch davon gehen je nach Hersteller Sprit, Telefon, Werbemittel, Visitenkarten, Musterprodukte und die Bewirtung ab. Unbenommen bleibt in jedem Fall der Geselligkeits-Faktor.

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