Verbraucherschützer pessimistisch

Keine Entwarnung für Privatversicherte

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München - Die kräftigen Beitragssprünge in der privaten Krankenversicherung haben sich zuletzt etwas abgeschwächt. Dennoch rechnen Verbraucherschützer mit weiter steigenden Prämien.

Exakt 185 Seiten hat der schwarz-rote Koalitionsvertrag. Doch die Begriffe „Privatpatient“ oder „private Krankenversicherung“ tauchen mit keinem Wort auf. Die neue Regierung tastet die private Krankenversicherung (PKV) nicht an. Auch die ursprünglich geplanten Erleichterungen beim Wechsel zu einem anderen Anbieter wurden gestrichen. Verbraucherschützer sehen allerdings die private Krankenversicherung aufgrund der Niedrigzinsen und der steigenden Ausgaben unter Druck.

Anfang Dezember informieren die Versicherungen über höhere Prämien zum Jahreswechsel. In den letzten Jahren gab es für viele Versicherte schlechte Nachrichten: Vereinzelt kletterten die Tarife um bis zu 30 Prozent. Solche Beitragssprünge dürfte es diesmal kaum geben. Der Grund: Die Einsteiger-Tarife, bei denen zuletzt die Beiträge geradezu explodierten, wurden großteils vom Markt genommen.

Die Anpassung fällt in diesem Jahr eher moderat aus. Bei der Central steigen die Beiträge 2014 im Schnitt um 2,8 Prozent. Im Vorjahr waren es 2,6 Prozent. Bei der Allianz bleiben die Prämien in den meisten Tarifen stabil. Im Schnitt gibt es sogar eine leichte Senkung (Vorjahr plus 3,0 Prozent). Ähnlich bei der Debeka – mit 2,2 Millionen Versicherten Deutschlands größte private Krankenversicherung. 2014 gibt es keine Anhebung der Beiträge. Rund 600 000 Versicherte müssten sogar weniger zahlen als 2013, so ein Debeka-Sprecher. Bei der DKV wird erst im Frühjahr über höhere Beiträge entschieden. 2013 mussten die knapp 900 000 DKV-Versicherten im Schnitt 4,5 Prozent mehr zahlen.

Die Versicherungen begründen den Beitragsanstieg vor allem mit steigenden Ausgaben. So kletterten die Kosten etwa für Zahnbehandlung 2012 nach vorläufigen Zahlen um 6,6 Prozent. Bei der Anpassung haben die Versicherungen wenig Spielraum. Das Gesetz schreibt vor, dass die Beiträge neu kalkuliert werden müssen, wenn die tatsächlichen Ausgaben in einem Jahr um mehr als zehn Prozent von den prognostizierten Ausgaben abweichen.

Auch wenn die Anpassung diesmal geringer ausfällt – langfristig rechnet der Bund der Versicherten (BdV) mit deutlichen Steigerungen: „Es gibt keinen Anlass zur Entwarnung“, sagt BdV-Vorsitzender Axel Kleinlein. Die anhaltende Niedrigzinsphase werde für die Versicherer zunehmend zur Belastung. Weil es für sichere Anlagen nur Mini-Zinsen gibt, sinken die Erträge für die Rücklagen.

Scharfe Kritik übt Kleinlein am mangelnden Reformwillen der neuen Regierung bei der PKV: „Das ist eine vertane Chance.“ So müsse endlich der Wechsel zwischen den Anbietern erleichtert werden. „Es gibt durchaus praktikable Lösungen für die Mitnahme der Altersrückstellungen.“ Bisher ist ein Anbieterwechsel unattraktiv, weil nur ein Teil der Rücklagen mitgenommen werden kann. „Es ist absurd, dass wir bei der gesetzlichen Krankenversicherung mehr Wettbewerb haben als bei den Privaten.“

Steffen Habit

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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