Autoindustrie

Keine Erholung nach langen Ferien

München – Die Autobauer fahren nach verlängerten Weihnachtsferien ihre Produktion wieder hoch. Erholt sich die Branche nicht bald , drohen weitergehende Sparmaßnahmen.

Als vor einem Monat die Arbeiter in den bayerischen BMW-Werken in längere Weihnachtsferien gingen, konnten sie noch glauben, damit sei es getan. Der heftige Absatzeinbruch könnte ja nur von kurzer Dauer sein, war die Hoffnung. Gestern kehrten die Arbeiter an die Bänder zurück. Doch die Lage auf dem Automarkt hat sich nicht gebessert. Jüngste Verkaufszahlen deuten darauf hin, dass von einer Erholung auf absehbare Zeit noch nicht die Rede sein wird.

Doch mit den abgeschmolzenen Arbeitszeitkonten sind die Flexibilitätsreserven weitgehend aufgebraucht. So könnte auch den Münchner Autobauern Kurzarbeit ins Haus stehen. „Das steht nicht auf der Tagesordnung“, sagt Konzernsprecher Michael Rebstock, räumt aber ein, dass sich dies ändern könnte. Bei den gegenwärtigen Abstimmungen mit den Zulieferern gehe man nicht von einem Durchbruch beim Absatz aus.

Die dramatische Lage der Zulieferer zeigen Nachrichten vom Branchengiganten Bosch: Dieser musste für 9000 Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Auch Continental und der Stahlkonzern Thyssen-Krupp reagieren mit diesem Mittel auf ausgebliebene Aufträge der Autohersteller. Diese greifen nun ebenfalls vermehrt zu diesem Instrument: Für die Mitarbeiter mehrerer Mercedes-Werke begann gestern Kurzarbeit. 40 000 von 85 000 Beschäftigten sind betroffen.

Weil bei Kurzarbeit die Bundesagentur 60 (für Arbeitnehmer mit Kindern 67) Prozent des von der Kürzung betroffenen Nettolohns übernimmt, bleibt Arbeitnehmern, die befristet nur noch drei oder vier Tage in der Woche arbeiten, noch mindestens 85 Prozent des bisherigen Nettogehalts erhalten. Die Alternative dazu wären Entlassungen. Davon ist bei den Autoherstellern selbst nicht die Rede. Die meisten haben sich ohnehin durch Vereinbarungen mit ihren Betriebsräten daran gebunden, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Inzwischen sind auch vom bisher scheinbar unverwundbaren zweiten bayerischen Autobauer verhaltenere Töne zu hören. Nach einem erneuten Rekordjahr 2008 (dem dreizehnten in Folge) rechnet Audi mit Schwierigkeiten. „Wenn der Absatz in der Branche um 30 Prozent zurückgeht“, sagt Unternehmenssprecherin Antje Bauer, „wird das auch an uns nicht spurlos vorbeigehen.“ Audi hatte bereits die Weihnachtsferien verlängert – allerdings nur um zwei Tage. Auch werden seit Monaten, weil die Nachfrage nach den großen Modellen aus Neckarsulm spürbar zurückgeht, Arbeiter von dort in Ingolstadt eingesetzt.

Auch bei Audi wird einer ohnehin gebeutelten Berufsgruppe bald ein eisiger Wind ins Gesicht wehen: den Zeitarbeitern. Zwar beschäftigt der Autobauer davon weit weniger als in der Branche üblich. Doch auch diese wurden für Produktionsspitzen eingestellt, wie Antje Bauer sagt. Und diese Spitzen werden kurzfristig nicht mehr erreicht.
Ein wichtiger Termin zum Jahresanfang gibt wenig Anlass zur Hoffnung: Die Autoshow in Detroit wurde bereits als „Totenmesse“ bezeichnet – nicht zuletzt weil die Krise die einheimischen Hersteller besonders beutelt. Die Deutschen sehen dort aber mit am besten aus.

Spektakuläre Neuerungen bieten auch sie kaum: Mini-Cabrio und BMW Z4 sind – ebenso wie die neue E-Klasse von Mercedes – Neuauflagen eingeführter Modellreihen. Neuland dagegen betreten Audi mit dem großen viertürigen Coupé A7 und Volkswagen mit einem sportlichen Roadster auf Polo-Plattform, der nur 4,3 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll. Ein Nachteil: Beides sind Konzeptstudien, die zumindest kurzfristig noch nicht für einen Absatzschub sorgen können.

Von Martin Prem

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