Keine Frühjahrsbelebung

- Nürnberg - Der harte Winter und die Folgen der Hartz-IV-Reform könnten die Arbeitslosigkeit nach Experten-Einschätzung im März auf ein neues Rekord-Niveau steigen lassen. Nach Berechnungen von dpa befragten Bankanalysten liegt die Zahl der offiziell registrierten Arbeitssuchenden möglicherweise leicht über dem bisherigen Höchstwert im Februar von 5,21 Millionen. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete hingegen, die Arbeitslosigkeit sei im März knapp unter 5,2 Millionen gefallen. Einig waren sich alle Experten darin, dass sich die übliche Frühjahrsbelebung deutlich schwächer bemerkbar machen wird als in den vorangegangenen Jahren.

Einige Fachleute gehen vor diesem Hintergrund sogar von einem kräftigen Anstieg aus, ein Experte rechnet mit einem minimalen Rückgang im Vergleich zum Februar. Die offiziellen Zahlen gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg bekannt.<BR><BR>Der Deutsche Bank-Analyst Stephan Bielmeier etwa rechnet für März mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen um rund 20 000 auf 5,23 Millionen Erwerbslose. Dies wären rund 680 000 mehr Erwerbslose als vor einem Jahr. "Der Winter war in diesem Jahr ungewöhnlich lang. In vielen Außenberufen konnte daher auch im März die Arbeit noch nicht wieder aufgenommen werden", gab der Experte zu bedenken.<BR><BR>Zudem falle in diesem Jahr der Stichtag für die Erfassung der aktuellen Arbeitslosenzahlen feiertagsbedingt mit dem 17. März sehr früh. "Erst danach kam der Frühling." Die sonst übliche Frühjahrsbelebung mit einem Rückgang der Arbeitslosen um rund 100 000 komme deshalb in diesem Jahr kaum zum Tragen, schätzt Bielmeier.<BR><BR>Zudem belastet nach Einschätzung der Fachleute weiterhin die Hartz-IV-Reform mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe den Arbeitsmarkt. Allerdings sei nur schwer einzuschätzen, wie viele erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger im März noch zusätzlich in die Arbeitsmarkt-Statistik eingingen.<BR><BR> "Prognosen sind deshalb für den März sehr schwer", betonte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Er geht von einem Rückgang der Arbeitslosen-Zahlen um rund 45 000 auf 5,17 Millionen aus. Einen leichten Rückgang von rund 20 000 prognostizierten auch die Zeitungen "Welt" und "Bild".<BR><BR>Übereinstimmend betonen die Fachleute, selbst bei einem leichten Rückgang würde der diesjährige März aus dem Rahmen fallen. Im ZehnJahres-Durchschnitt ist die Zahl der Erwerbslosen im März um rund 140 000 gesunken. Meist hatte sich der Frühjahrsaufschwung bereits im März stark bemerkbar gemacht.<BR><BR>Im Februar war die Zahl der amtlich registrieren Arbeitslosen in Deutschland mit 5,216 Millionen zum zweiten Mal in Folge auf einen neuen Nachkriegsrekord gestiegen. Dies waren 177 000 mehr als im Januar und 575 000 mehr als vor einem Jahr. Nach BA-Angaben erklärte sich die Zunahme zum größten Teil damit, dass 360 000 bis 370 000 ehemalige Sozialhilfebezieher als Arbeitslose registriert wurden.<BR>

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