Keine Geheimnisse beim Fondskauf: Banken müssen Provision aufdecken

- Wer wenig Ahnung hat von Wertpapieren, lässt sich gern von seiner Hausbank beraten. Dabei erfährt er in der Regel einiges über anfallende Fondsgebühren und Gewinnaussichten der Anlage - aber nie etwas darüber, dass der Bankberater selbst gutes Geld verdienen kann, je nachdem, welche Investmentfonds er an den Mann bringt. Mit dieser Geheimniskrämerei soll jetzt Schluss sein: Der Bundesgerichtshof (BGH) verpflichtete die Geldhäuser zu mehr Transparenz. Sie müssen künftig offenlegen, was beim Fondsverkauf an Provisionen fließt (Aktenzeichen: BGH XI ZR 56/05).

Niels Nauhauser, Finanzfachmann der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, hält das höchstrichterliche Urteil für einen "bedeutenden Etappensieg für den Anlegerschutz". Wer einen finanziellen Verlust aus der Kaufempfehlung seines Bankberaters erleide, könne jetzt womöglich Schadenersatzansprüche einfordern - wegen Verletzung der Aufklärungspflicht. Kollegin Andrea Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen erklärt: "Für Anleger ist es schon wichtig, die Hintergründe zu erfahren, warum ein Bankmitarbeiter eine bestimmte Anlageempfehlung ausspricht."

Nach dem Wertpapierhandelsgesetz haben Banken und Sparkassen ihre Kunden immer anleger- und objektgerecht zu informieren. Dass die Berater zugleich Rückvergütungen, sogenannte "Kick-backs", aus der Vermittlung von Investmentfonds bekommen, "kratzt jedoch stark an deren angeblicher Unabhängigkeit", betont Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Nur die wenigsten Bankkunden hätten bislang gewusst, dass die Person hinter dem Schalter Provisionen kassiert, die je nach Fondsgesellschaft unterschiedlich hoch ausfallen.

"Wer kann schon unabhängig beraten, wenn das eigene Portemonnaie optimiert werden kann?", gibt Kurz zu bedenken. Nach Ansicht Nauhausers kommen viele Anlagegespräche "reinen Verkaufsgesprächen" gleich. Die Provisionshöhe habe dabei großen Einfluss auf die Kaufempfehlung. Dass Produkte, von denen der Verkäufer weniger profitiere, seltener empfohlen werden, sei "logische Konsequenz", ist auch Hoffmann überzeugt.

Beim Autokauf wissen Verbraucher oft viel mehr

Nauhauser rechnet vor: Legt ein Kunde 10 000 Euro in einem Aktienfonds an, bezahlt er in der Regel einmalig 500 Euro Ausgabeaufschlag. Zusätzlich behält der Vermittler häufig jährlich ein Prozent der Verwaltungsvergütung ein. Bei einer Wertsteigerung nach Kosten von jährlich 8 Prozent summiert sich das Vermögen auf knapp 96 000 Euro. Ohne Ausgabeaufschlag und laufende Kick-backs hätte sich Kapital von rund 132 700 Euro angesammelt. Wer solche Rechnungen kenne, werde den teuren Fondskauf vielleicht noch einmal überdenken, meint Hoffmann. Und andere Offerten einholen.

Wer bereits in einen Investmentfonds investiert hat, kann das Urteil dazu nutzen, im Nachhinein Auskunft über die Höhe der Provisionen zu verlangen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hält auf ihrer Internet-Seite einen entsprechenden Musterbrief bereit. All die, die kurz vor einer Beratung stehen, können ein Musterprotokoll der Verbraucherschützer als Leitfaden im Gespräch nutzen. Das Protokoll, in dem auch die Höhe der Provision festgehalten wird, sollte vom Bankberater unterschrieben werden. "Folgen Sie keiner Empfehlung, die der Berater nicht auch schriftlich bestätigt", warnt Nauhauser. Um nicht über den Tisch gezogen zu werden, sei es zudem wichtig, wenigstens "ein bisschen Ahnung von der Materie" zu haben. "Beim Autokauf wissen die meisten Leute genau über die Details Bescheid. Das wäre auch bei den Finanzen wünschenswert", so Kurz.

>>> Weitere Infos unter: www.vz-bawue.de

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