Keine Lust auf schlechte Zeiten

- München - Krise? Nein danke! Nach Jahren schwacher Geschäfte und schlechter Konjunkturaussichten scheint die deutsche Wirtschaftskrise überwunden. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts ist im Dezember zum achten Mal in Folge gestiegen. Ob Autobauer oder Versicherer - überall heißt es: keine Lust auf schlechte Zeiten.

<P>Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn verkündete die frohe Weihnachtsbotschaft: "Der konjunkturelle Erholungsprozess ist in Gang gekommen und gewinnt an Kraft." Der Ifo-Geschäftsklimaindex - einer der wichtigsten Frühindikatoren der deutschen Wirtschaft - stieg von 95,7 auf 96,8 Punkte. Die Aussichten der Geschäftsleute sind so positiv wie seit neun Jahren nicht mehr. In einem Konjunkturbericht des Bundesverbands deutscher Banken heißt es, auch Auftragseingang und Produktion der deutschen Industrie machten Mut. Und nicht nur dort: Gute Nachrichten kommen von vielen wichtigen Branchen.</P><P>Bau</P><P>Einer der am stärksten leidenden Wirtschaftszweige Deutschlands schöpft Hoffnung. Das Geschäft im Bauhauptgewerbe hat sich nach Angaben des Ifo-Instituts gebessert. Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft erwartet für 2004 nur noch ein leicht schrumpfendes Geschäft. Mit 2002 und 2003 seien die düstersten Jahre der Baugeschichte überstanden.</P><P>Handwerk</P><P>"Die Bilanz für das zu Ende gehende Jahr fällt ernüchternd aus", sagte Heinrich Traublinger, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Dennoch sei analog zur Gesamtwirtschaft auch im Handwerk eine Aufhellung der Stimmung zu beobachten.</P><P>Maschinenbau</P><P>Die größte Branche im verarbeitenden Gewerbe Bayerns hofft auf das kommende Jahr. Deutschlands Maschinenbauer führen in der Produktion vor Japan und im Export vor den USA. Trotzdem sagt Diether Klingelnberg, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau: "Unsere Zukunft ist abhängig vom Inland, und prinzipiell gilt: Im ersten Halbjahr 2004 muss es bei uns richtig durchschlagen, damit es endlich aufwärts geht." Zwei Prozent Zuwachs bei der Produktion erhofft sich die Branche nach den vergangenen beiden Minusjahren.</P><P>Metall und Elektro</P><P>Zu Beginn der Tarifrunde zeigt sich die Branche zurückhaltend. "Hoffnungen für 2004 sind gegeben", heißt es beim Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie. "Aber die gründen nicht auf harte Fakten."</P><P>Automobile</P><P>Die Auto-Branche - Deutschlands größter Industriezweig - sieht sich als treibende Kraft der Wirtschaft. Der Verband der Automobilindustrie rechnet mit Wachstum bei Produktion und Export - dem Euro-Rekordhoch zum Trotz. "Es hat noch nie einen Aufschwung ohne die Konjunkturlokomotive Autoindustrie gegeben", sagte Verbands-Präsident Bernd Gottschalk.</P><P>Telekommunikation</P><P>62 Milliarden Euro Umsatz erwartet der Branchenverband VATM heuer für die Unternehmen - ein Wachstum von fünf Prozent. Während in den meisten anderen Branchen die Aussichten auf bessere Zeiten den Stellenabbau noch nicht bremsen, sieht der VATM die Talsohle bei der Beschäftigung erreicht.</P><P>Mikrochips</P><P>"Chip Chip Hurra" titelte "Spiegel Online" kürzlich. Weltweit werde der Umsatz der Branche heuer um über 14 Prozent zunehmen. In Deutschland werde das Wachstum 12,8 Prozent betragen, berichtete die Branchen-Organisation WSTS.</P><P>Biotech</P><P>Nach der Gründungswelle Ende der 90er-Jahre befindet sich die Biotech-Branche in der Konsolidierung. Wackelkandidaten verschwinden, größere und stabile Unternehmen setzen sich durch. Die Martinsrieder Medigene hat kürzlich als erstes deutsches Biotechunternehmen die Zulassung für ein Medikament erhalten. Der Präsident des Statistischen Bundesamtes Johann Hahlen stellte nach einer Umfrage des Instituts auf längere Sicht einen Aufschwung in Aussicht.</P><P>Finanzen</P><P>Die härteste Zeit haben Banken und Versicherer wohl überstanden. "Die Lage der Branche entspannt sich", sagte ein Versicherungsexperte der WestLB. Beim Bundesverband deutscher Banken heißt es: "Es war heuer eine leichte Besserung zu spüren. Wir rechnen 2004 mit einer Fortsetzung dieses Trends."<BR></P>

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