"Keine zusätzlichen Ausbildungsplätze"

- München - Die Arbeitgeberverbände protestieren scharf gegen die von der Bundesregierung geplante Ausbildungsabgabe. "Damit werden keine zusätzlichen Ausbildungsplätze geschaffen", meint der Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH), Dieter Philipp. Das Gegenteil sei der Fall, die Firmen könnten sich mit der Abgabe freikaufen, wodurch das Duale System der Berufsausbildung gefährdet sei.

<P>Dieses Prinzip legt fest, dass der Staat den schulischen Part der Lehre übernimmt, während die Unternehmen die Praxis vermitteln. Mit der Abgabe würde nach Philipps Einschätzung der schulische Teil Überhand gewinnen, weil viele Firmen keine Azubis mehr einstellen würden. Die von ihnen gezahlte Abgabe würde dann in reine Lehrmaßnahmen investiert, die Jugendliche "an der Realität vorbei ausbilden".</P><P>Auch die Industrie- und Handelskammern (IHK), deren Mitgliedsunternehmen bundesweit etwa 850 000 Jugendliche ausbilden, sind gegen die Abgabe: Sie sei ein "planwirtschaftliches Monster", kritisiert der Geschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, Reinhard Dörfler. Rund 150 Stellen sollen nötig sein, um die Abgabe zu verwalten. Welche Kosten dadurch entstehen, ist unklar: Während die Wirtschaft von 50 Millionen Euro pro Jahr ausgeht, heißt es aus der SPD-Fraktion, es werde "weit weniger" sein.</P><P>Begrüßt wird die Abgabe von Gewerkschaftern. "Die Unternehmen müssen nun ihrer Verpflichtung nachkommen, genügend Lehrstellen zur Verfügung zu stellen", sagt Fritz Schösser vom DGB Bayern. Außerdem habe die Abgabe, die es in der Baubranche bereits gibt, einen positiven Effekt gehabt.</P><P>Bei der SPD deutet sich derweil ein Rückzieher an: "Das Gesetz bleibt in der Schublade, wenn es bis Oktober eine positive Ausbildungsbilanz gibt", heißt es. Möglicherweise reagiert man damit auch auf Stimmen aus den eigenen Reihen: So hatten sich mehrere SPD-Länder-Chefs kritisch geäußert.</P>

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