Keiner will 24-Stunden-Kaufrausch

- München - "Rund um die Uhr" heißt das große Ziel von Staatskanzleichef Erwin Huber. Bayerns Läden und Restaurants sollen seinem Ansinnen nach künftig - außer sonntags - 24 Stunden für die Kunden öffnen dürfen. Viele Betroffene glauben jedoch nicht daran, dass längere Öffnungszeiten vom Verbraucher genutzt werden. Die Verbandssprecher sind eher skeptisch.

<P>Grundsätzlich bewertet Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes BAG, das Vorhaben als "positiv". Schließlich könne der Handel so viel freier entscheiden. Für ihn stellt sich jedoch eine viel schwierigere Frage: "Wie schafft man es in zentralen Einkaufsgebieten, sowohl in Städten als auch in Gemeinden, einigermaßen einheitliche Öffnungszeiten hinzubekommen", um tatsächlich verbraucherfreundlich zu sein? Er hoffe daher auf intensive Gespräche mit den Ministerien. Darin sollten alle Vor- und Nachteile in Abstimmung auf die Betriebsformen erörtert werden, damit letzlich ein echter Mehrwert für Verbraucher und Händler entstehe.<BR><BR>Eine klare Absage erteilt hingegen der Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels (LBE), Günter Gross, den entsprechenden Plänen. "Das ist der vollkommen falsche Weg." Seiner Ansicht nach habe sich das bestehende Ladenschlussgesetz bewährt. Handel und Verbraucher hätten ihre Einkaufszeiten längst gefunden, jetzige Öffnungszeiten würden häufig nicht ausgeschöpft, erläutert Gross. Leidtragende des Vorhabens seien in erster Linie die kleinen, inhabergeführten Geschäfte. "Dort steht der Inhaber schließlich meist noch selbst im Geschäft."<BR><BR>Die Betroffenen selbst sind der Ansicht, den Laden länger zugänglich zu machen, rentiere sich nicht. "Nein, wir würden unsere Öffnungszeiten nicht verlängern", beteuert Max Lipp, Geschäftsführer des Kaufhauses "Rid" in Weilheim und Kreisvorsitzender des Einzelhandelsverbands. Bisher würden die bestehenden Öffnungszeiten nicht einmal ausgeschöpft. "Ab 18 Uhr lässt der Kundenstrom deutlich nach", so Lipp. Deshalb habe er auch die auf 20 Uhr verlängerten Öffnungszeiten sehr bald wieder auf 19 Uhr verkürzt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass erweiterte Öffnungszeiten in Weilheim eine Rolle spielen - außer für wenige Exoten." <BR><BR>Bei Karstadt in Rosenheim zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. "Bei unseren Kunden besteht schlichtweg kein Interesse, länger einkaufen gehen zu wollen", sagt Geschäftsführer Reinhard Nasswetter. Auch die 20-Uhr-Regelung wurde in Rosenheim schnell wieder abgeschafft - "bei uns reicht's bis 19 Uhr", erklärt Nasswetter. Grundsätzlich findet er die Idee, die Läden länger öffnen zu können, gut.<BR><BR>Josefa Westermann, Ortsvorsitzende des Dachauer Einzelhandelsverbands, meint, solange der Kunde nicht mehr Geld im Portemonnaie habe, bringe das nichts, da die Kaufkraft fehle. Öffnungszeit rund um die Uhr: "So ein Blödsinn kann doch nur Politikern einfallen", kommentiert die Dachauerin. Sie plädiert hingegen darfür, einheitlichere Öffnungszeiten zu finden. Alle Geschäfte sollten ihrer Meinung nach zu einer Kernzeit auf haben, "damit der Kunde nicht einen Stundenplan im Kopf haben muss."</P>

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