"Keiner wollte verbrannte Erde hinterlassen": Streik abgewendet

- Pforzheim - Fast 16 Stunden lang stand die Tarifrunde auf Messers Schneide. Doch dann ging alles erstaunlich schnell. Der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann und Südwestmetall-Chef Otmar Zwiebelhofer traten erschöpft, aber erleichtert vor die Mikrofone und präsentierten den Abschluss. So wurde in letzter Minute ein drohender Streik verhindert.

<P>Hofmann und Zwiebelhofer war die Anspannung anzusehen. Erst nach ein paar Minuten lächelten beide und besiegelten schließlich mit einem festen Händedruck die mühsam gefundene Einigung. Eine Stunde später zeigten sich dann Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser und IG-Metall-Chef Jürgen Peters. Als dessen Vize Berthold Huber mit Kannegiesser gemeinsam vor die Presse treten wollte, ging Peters dazwischen: "Da wäre die Verbrüderung doch zu offensichtlich", raunte er.<BR><BR>Beide Seiten unterstrichen aber eine neue Offenheit in der Zusammenarbeit. Niemand habe "verbrannte Erde" hinterlassen wollen. Man habe absolut fair verhandelt, betonten auch Zwiebelhofer und Hofmann. Die Chemie habe gestimmt.<BR><BR>Vor allem auf Hofmann (48) lastete in der sechsten Runde ein hoher Erwartungsdruck. Erst im vorigen September hatte er Berthold Huber abgelöst, der als Vize-Chef nach Frankfurt ging. Das Ergebnis ist sozusagen sein Meisterstück.<BR><BR>Ob es ein Meisterstück für Deutschland wird, darüber streiten die Experten: Der Ökonom Jürgen Kromphardt nannte den Abschluss eine vernünftige Lösung. "Die Lohnprozente schöpfen den Verteilungsspielraum aus, überstrapazieren ihn aber nicht", sagte das scheidende Mitglied des Sachverständigenrats. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts ist das Ergebnis zu hoch. "Für einen aktiven Beitrag zum Beschäftigungsaufbau ist der Abschluss deutlich zu hoch", sagte Ifo-Volkswirt Gebhard Flaig. Umgerechnet habe der Abschluss ein Volumen von etwa 2,3 Prozent pro Jahr. Um Konjunktur und Arbeitsmarkt zu stützen, hätte es etwa einen Prozentpunkt niedriger ausfallen müssen.<BR><BR>"Es ist zwar erfreulich, dass es ohne Streik zum Abschluss gekommen ist", sagte Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft. "Das Volumen ist aber etwas zu hoch ausgefallen." Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Rudolf Hickel ist ein "klarer Kompromiss" gefunden worden. "Er ist für beide Seiten relativ hart, aber vernünftig", sagte der Bremer Professor. Alle Beteiligten seien sich einig gewesen, dass es nicht zum Streik kommen dürfe.</P>

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