Kerosinzuschläge: Welche Kosten Sie bei Reisen hinnehmen müssen

- Wer im Winter und im Frühling mit dem Flugzeug in den Pauschalurlaub abdüsen will, muss dafür tiefer in die Tasche greifen. Seit Anfang Oktober verlangen viele Reiseveranstalter Kerosinzuschläge, andere dürften folgen. In den Wochen zuvor hatten bereits etliche Fluglinien ihre Treibstoff-Zuschläge nach oben geschraubt, teilweise zum vierten Mal in diesem Jahr. Auch für die Sommerreisesaison 2006 ist eine Verteuerung der Reisepreise nicht ausgeschlossen.

"Der Kerosinpreis ist in den letzten 42 Monaten um 256 Prozent explodiert", erklärt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband. Nachdem so gut wie alle Fluggesellschaften mehr fürs Fliegen verlangten, seien nun auch Veranstalter gezwungen, die Teuerung an die Kunden weiterzugeben. "Es ist schwierig, den exorbitanten Anstieg beim Kerosinpreis abzufedern", betont Zeuch. Die Veranstalter seien bemüht, die Preise stabil zu halten. Derzeit sind die Kataloge für den nächsten Sommer in Vorbereitung. "Wir sind mitten in der Preiskalkulation für den Sommer", bestätigt Tui-Sprecher Robin Zimmermann. Bleibe der Erdölpreis so hoch, sei nicht auszuschließen, "dass sich das in den Reisepreisen niederschlägt".

Erst einmal werden Pauschaltouristen aber in der bevorstehenden Wintersaison stärker zur Kasse gebeten.

Tui

Wer bei Tui neu bucht, muss seit 4. Oktober beispielsweise fünf Euro pro Person für einen Charterflug auf Kurz- und Mittelstrecken drauflegen. Für Charterflüge auf der Fernstrecke sind insgesamt 23 Euro fällig. Der Treibstoffzuschlag gilt auch für Kinder ab zwei Jahren. Betroffen sind die Reiseangebote von Tui, 1-2-Fly, Discount Travel sowie Flug-Einzelplätze.

FTI

Auch beim Münchner Reiseveranstalter Frosch Touristik (FTI) gelten Kerosinzuschläge, und zwar für alle Abreisen seit 1. Oktober, wie Unternehmenssprecherin Angela Winter erklärt. Auf Kurz- und Mittelstrecken werden Aufpreise von 8 bis 15 Euro verlangt, auf Fernstrecken zwischen 20 und 60 Euro, je nachdem, ob es sich um Charter- oder Linienflüge handelt.

Rewe-Gruppe

Beim Reisekonzern der Rewe-Handelsgruppe, zu dem unter anderem die Reisemarken Dertour, ITS, Jahn, ADAC- und Meier/s Welt-Reisen, Tjaereborg und LTUplus gehören, wird die Bekanntgabe von Kerosinzuschlägen noch etwas hinausgezögert. "Aber wir sind auch nicht reicher als unsere Mitbewerber", deutet Sprecherin Vera Konstanty die Marschrichtung an. Billiger werde es auf keinen Fall.

Die Rechtslage

Rein rechtlich gesehen ist es zulässig, dass Veranstalter und Fluggesellschaften die Verteuerung des Kerosinpreises auf die Kunden abwälzen. Eine Preiserhöhung ab dem 20. Tag vor der Abreise müsse aber nicht hingenommen werden, betont Carmen Gahmig, Reiseexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Schon gebuchte Reisen, die innerhalb von vier Monaten angetreten werden, dürften auch nicht nachträglich mit Aufschlägen verteuert werden. Und bei Erhöhungen von mehr als fünf Prozent des Reisepreises hat der Kunde sogar das Recht, kostenlos von der Buchung zurückzutreten.

Für eine saubere Lösung im Sinne der Kundschaft hält Gahmig die Praxis einiger Veranstalter, niemanden mit Aufpreisen nachzubelasten, der schon vor dem jeweiligen Stichtag seine Flugreise gebucht hat. "Werden nachträglich Zuschläge verlangt, kommt es immer zu Verärgerung", sagte die Verbraucherschützerin.

In den vergangenen Wochen und Monaten waren es vor allem die Fluggäste internationaler Liniengesellschaften, die Treibstoffzuschläge schlucken mussten. So erhöhte die Schweizer Linie Swiss vor kurzem den Kerosinaufpreis zum dritten Mal in diesem Jahr, die Lufthansa bereits zum vierten Mal. Air Berlin schraubte den Sprit-Zuschlag nach oben ebenso wie Hapagfly, Condor oder DBA. Nur Billigflieger wie Easyjet oder Ryanair verzichteten bislang auf Zuschläge.

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