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Für Millionen Deutsche ist der Pedal-Rennwagen Kettcar ein Stück Kindheitserinnerung.

Kindheits-prägendes Traditionsunternehmen

Kettcar-Hersteller Kettler meldet Insolvenz an

Ense - Für Millionen Deutsche ist der Pedal-Rennwagen Kettcar ein Stück Kindheitserinnerung. Doch jetzt - nach 15 Millionen verkauften Exemplaren - musste der Hersteller Kettler Insolvenz anmelden.

Ziel sei es, den Sport- und Freizeitartikel-Hersteller mit Hilfe eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung neu auszurichten, betonte eine Firmensprecherin. Das operative Geschäft laufe uneingeschränkt weiter. Das Familienunternehmen aus dem sauerländischen Ense beschäftigt allein in Deutschland rund 1100 Mitarbeiter.

Kettler betonte, der Insolvenzantrag sei zum Schutz der Firma notwendig geworden, um die "unabgestimmte Übernahme durch einen Finanzinvestor zu vermeiden und das Unternehmen neu auszurichten". Das Amtsgericht Arnsberg berief den Insolvenzexperten Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case zum vorläufigen Sachwalter.

Firmengründer Heinz Kettler baute das Unternehmen aus dem sauerländischen Ense nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der führenden Hersteller von Sportgeräten, Fahrrädern und Gartenmöbeln aus. Mit dem weltweit ersten Aluminium-Bike habe Kettler 1977 die Fahrradwelt revolutioniert, heißt es selbstbewusst auf der Unternehmens-Homepage. Der Hometrainer „Golf“ war in den 1980er Jahren eines der beliebtesten Fitnessgeräte Europas. Auch beim aktuellen Trend zum E-Bike war das Unternehmen vorne mit dabei. Bei einem ADAC-Test von Fahrrädern mit Elektroantrieb gehörte ein Kettler-Modell 2013 zu den Testsiegern. Und doch muss das Unternehmen wohl in den vergangenen Jahren an Schwung verloren haben.

Es ist nicht die erste Krise für Kettler. Schon 2009 hatte das Unternehmen Hunderte Arbeitsplätze abbauen müssen. Und wie die Firma hatte zuletzt auch das Kettcar mit einer holprigen Wegstrecke zu kämpfen. Besonders gefragt waren die Tretautos Ende der 1990er Jahre, als die Jahresproduktion eine halbe Million Stück erreichte. Nach der Jahrtausendwende sank die Nachfrage - da konnten auch die aktuellen Modelle mit klangvollen Namen wie Dakar Air und Daytona keine Kunden mehr locken.

Zuletzt gab es immer wieder Meldungen über wirtschaftliche Probleme. Das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ berichtete schon im April von einer „existenzbedrohenden Krise“ und schrieb, mehrere Investoren bemühten sich um einen Einstieg.

Vor Kettler waren schon Kindheits-prägende deutsche Traditionsunternehmen wie der Modelleisenbahnbauer Märklin und der Hersteller der Carrera-Autorennbahnen in Schwierigkeiten geraten.

dpa

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