KFZ-Haftpflichtversicherung: Weiche Faktoren schlagen hart zu

- Von der Typklasse eines Wagens hängt es ab, wie hoch die Prämie für die Kfz-Haftpflichtversicherung ausfällt - und die wird sich für Millionen Autofahrer ab jetzt ändern. Neu hinzugenommene Risikofaktoren spielen bei der Einteilung nun eine entscheidende Rolle.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin erwartet, dass rund 70 Prozent aller Autofahrer bei der Haftpflicht neu eingestuft werden. Höhere Ausgaben bedeutet ein Typklassenwechsel nicht automatisch - möglich sind höhere Kosten aber. Nur die wenigsten - knapp drei Prozent - sollen um drei oder mehr Klassen umgestuft werden. Bei gut 50 Prozent ändere sich die Einstufung nur um eine Klasse.

Die Branche wirbt für die Neuerung mit der Begründung, dass die Schadenswahrscheinlichkeit im neuen System besser abgebildet wird - so herrsche mehr Gerechtigkeit, erläutert GDV-Sprecherin Katrin Rüter de Escobar. Insgesamt werde sich das Prämienaufkommen der Versicherungsunternehmen nicht erhöhen. Verbraucherschützer sind allerdings skeptisch - sie vermuten, dass für manchen Versicherten durch eine Neueinstufung höhere Monatsbeiträge anfallen.

Zum Jahreswechsel passen die Versicherungen ihre Typklassen jedes Mal den aktuellen Schadensstatistiken an - das ist ein normaler Vorgang, wie Rüter erläutert. Doch dieses Mal geschieht die Typklassenbemessung auf einer neuen Grundlage. Die Versicherungsunternehmen nehmen neue Risikofaktoren auf.

Künftig spielen zum Beispiel die Merkmale "Fahrzeugalter bei Erwerb", "Wohneigentum", "Nutzerkreis" und "Nutzeralter" in die Einstufung hinein. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis der Versicherer, dass sie seltener zahlen müssen, wenn ihr Kunde beispielsweise ein 65-Jähriger ist, der über ein Haus mit Garage verfügt und als einziger mit seinem neu gekauften Auto fährt.

Teurer kommt dagegen - statistisch gesehen - das Versichern eines jungen Fahranfängers, der seinen älteren Gebrauchtwagen an der Straße parkt und diesen auch noch regelmäßig an andere Fahrer verleiht. Bislang wurden diese Merkmale außerhalb der Typklasse berücksichtigt. "Diese weichen Faktoren wurden bisher als Rabattinstrumente genutzt", sagt Jochen Oesterle, ADAC-Sprecher in München. So hätten Versicherte zum Beispiel dann Ermäßigungen bekommen, wenn sie angeben konnten, dass sie über eine Garage verfügen. Er rät Autofahrern, weiter auf Rabatte zu pochen - und immer wieder bei der Versicherung vorstellig zu werden, wenn sich einer der "weichen Faktoren" ändert.

Ähnlich argumentiert Andrea Hoffmann, die Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen in Dresden. Auch sie rät zum regelmäßigen Preisvergleich. Auf die neuen Typklassen zu achten, sei aber vor allem für die Verbraucher wichtig, die ohnehin über die Anschaffung eines Autos nachdenken.

Schon die alljährlichen Veränderungen der Kfz-Typklassen bringen Bewegung in die Prämienstruktur. Gut 13 000 von 18 000 Kfz-Typen werden zum 1. Januar 2008 in eine neue Haftpflichtklasse eingestuft. Etwa zwei Drittel aller Autofahrer dürften davon betroffen sein, erläutert die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Verlierer der Änderung seien unter anderem Käufer alter Gebrauchtfahrzeuge. Sie müssen künftig mehr zahlen.

Auf der Homepage www.typklasse.de des GDV können Autofahrer die Einstufung ihres Autos in der Kasko- und Autohaftpflichtversicherung herausfinden.

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