Kinderbetreuung: Heuer heißt es Belege für den Fiskus sammeln

- Kinderbetreuung ist ein teurer Spaß. Seit Januar dieses Jahres beteiligt sich das Finanzamt kräftiger an diesen Kosten. Daher heißt es, Belege sammeln und aufheben. Bis zu 4000 Euro für jedes Kind unter 14 Jahren können Eltern ab dem Jahr 2006 von der Steuer absetzen.

Was wird gefördert?

Egal ob die Kinder zu Hause oder bei einer Tagesmutter, von einer Haushaltshilfe oder einem jugendlichen Babysitter betreut werden oder ein selbstständiger Dienstleister beauftragt wird: Löhne, Honorare, Steuern, Sozialabgaben und das Fahrgeld der Beschäftigten sind Betreuungskosten, erklärt Stiftung Warentest im neuesten "Finanztest" (7/2006). Auch wenn jemand den Kindern nur bei den Hausaufgaben hilft, bringe das Steuerersparnisse. Die besonderen Ausgaben für ein Aupairmädchen (Taschengeld, Versicherungsbeiträge, Vermittlung, Sprachschule, Verpflegung bis 6,76 Euro pro Tag) kann die Gastfamilie ebenfalls als Betreuungskosten geltend machen. Für die Unterkunft des Aupair können 167 Euro im Monat (155 Euro in Ostdeutschland) angesetzt werden. Weiter zählen die Beiträge für Krippen, Kindergärten, Tagesstellen, Ganztagspflegestellen und Kinderheime zu den Betreuungskosten.

Keine Betreuungskosten

Nicht zu den Betreuungskosten gehören die Ausgaben für Verpflegung und Schulgeld für die Kinder. Auch Nachhilfeunterricht (im Gegensatz zur Hausaufgabenbetreuung), Sprachkurse, Computerlehrgänge, Klavierstunden oder Reitunterricht erkennt der Fiskus nicht als abzugsfähig an.

Nie ohne Rechnung

"Lassen Sie niemanden ohne Rechnung arbeiten", rät "Finanztest". Das Finanzamt erkennt nur Betreuungkosten an, die belegt werden. Für den Kindergarten reicht der Gebührenbescheid. Auch für die Kinderfrau und das Aupairmädchen dürfte der Vertrag durchgehen. Ansonsten reichen Rechnungen, Bankbelege oder Kontoauszüge, um die Betreuungskosten nachzuweisen. Auch kann ein Freibetrag auf der Steuerkarte eingetragen werden.

Wer kann absetzen?

Das Finanzamt erkennt die Ausgaben zu zwei Dritteln an. Eltern, die mindestens 6000 Euro im Jahr für die Kinderbetreuung ausgeben, können so den Höchstbetrag von 4000 Euro geltend machen. Arbeitnehmer setzen diese Ausgaben als Werbungskosten und Selbstständige als Betriebsausgaben ab.

Lassen sich verheiratete Eltern beim Finanzamt zusammen veranlagen, geben sie ihre Betreuungskosten in der Summe als Werbungskosten, Betriebsausgaben oder Sonderausgaben an. Bei getrennter Veranlagung berücksichtigt der Finanzbeamte bei jedem die Hälfte der Kosten. Ehepaare können auch eine andere Aufteilung beantragen.

Beispielrechnung: Ein berufstätiges Ehepaar mit 60 000 Euro zu versteuerndem Einkommen gibt für die Kinderfrau des zweijährigen Sohnes 960 Euro aus. Der Kindergarten für die fünfjährige Tochter kostet 2436 Euro. Davon zwei Drittel 640 plus 1624 = 2264 als Werbungskosten abgezogen, spart beim Finanzamt 753 Euro Steuern und Solidaritätszuschlag. Vor 2006 waren es nur 298 Euro gewesen.

Andere Lebenslagen

Alleinerziehende erhalten die Förderung genauso wie Ehepaare. Für jedes Kind, das zum Haushalt gehört, können bis zu 4000 Euro im Jahr abgesetzt werden. Arbeitslose und aus anderen Gründen (Ausbildung, Krankheit, Behinderung) nicht Berufstätige können für ihre Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren Betreuungskosten von maximal 4000 Euro als Sonderausgaben beim Fiskus anmelden.

Bei Eltern ohne Trauschein gibt jeder Partner beim Finanzamt seine Ausgaben an.

Das Bundesfinanzministerium hat laut "Finanztest" noch nicht geklärt, ob die Abrechnung auch für Mütter und Väter, deren Kinder nicht vom derzeitigen Partner sind, so aussieht. Aber die Abrechnungen sollten auch diese Eltern vorsorglich sammeln.

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