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Kindergeld für Volljährige: Eltern können mit Nachzahlung rechnen

- "Die Ausbildungsvergütung war nicht schlecht", sagt der 22-jährige Chemielaborant Burkhard Odenthal zufrieden. Er hat im Vorjahr 9232 Euro brutto erhalten. Die Kehrseite der Medaille: Weil sein Lehrlingslohn so hoch war, gingen Odenthals Eltern 2004 beim Kindergeld leer aus. Vater Odenthal stellte erst gar keinen Antrag auf die 154 Euro pro Monat, weil er ohnehin nicht mit Geld von der Familienkasse der Arbeitsagentur rechnete. Die Antragstellung sollte er nun schnell nachholen. Denn nach einer neuen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (Aktenzeichen 2 BvR 167/02) haben Odenthals Eltern jetzt rückwirkend Anspruch auf Kindergeld.

Älter als 18

Manche Eltern können mit Nachzahlungen von mehreren tausend Euro rechnen. Generell gilt: Wenn Töchter oder Söhne 18 Jahre alt werden, stellen die Familienkassen die Kindergeld-Zahlung in der Regel zunächst ein. Doch häufig lohnt es sich für die Eltern, dann einen Antrag auf Weiterzahlung über das 18. Lebensjahr hinaus zu stellen. Für arbeitslose und Arbeit suchende Kinder gibt es diese Leistung nämlich bis zum 21. Geburtstag. Kinder, die sich in einer (Berufs-)Ausbildung befinden oder eine solche suchen, können bis zu ihrem 27. Geburtstag Kindergeld bekommen.Brutto oder netto?

Die Leistung gibt es allerdings nur, wenn das Jahreseinkommen der Sprösslinge unter dem Existenzminimum von derzeit 7680 Euro im Jahr liegt. 2004 galt die gleiche Grenze, 2003 und 2002 lag sie bei 7188 Euro, 2001 betrug sie 14 040 DM. Fraglich war aber bislang, ob es sich hierbei um eine Netto- oder - wie die Familienkassen unterstellten - eine Brutto-Grenze handelt. Die Karlsruher Richter haben die bisherige Praxis als verfassungswidrig eingestuft und angeordnet, dass neben den Werbungskosten auch die Sozialversicherungsbeiträge vom Bruttoeinkommen der Kinder absetzbar sind. Dadurch sind die Eltern des ehemaligen Azubi Burkhard Odenthal nun für 2004 noch kindergeldberechtigt geworden. Denn von dessen 9232 Euro Einkommen im Jahr 2004 gingen 1900 Euro an die Sozialversicherungskassen ab. Dazu konnte er die im letzten Jahr geltende Werbungskostenpauschale von 920 Euro absetzen (bei höheren Werbungskosten: die tatsächlichen Ausgaben). Insgesamt kommt er damit auf Abzüge von 2820 Euro. Sein anrechenbares Nettoeinkommen betrug damit 2004 genau 6412 Euro - und lag unter dem Existenzminimum.Geld für vier Jahre

Bei allen neuen Kindergeld-Anträgen würden die von volljährigen Kindern gezahlten Sozialversicherungsbeiträge jetzt automatisch berücksichtigt, erklärt das Bundesfinanzministerium. Der Anspruch gelte aber auch für die Vergangenheit, so das Ministerium. Mindestens vier Jahre rückwirkend kann jetzt Kindergeld beantragt werden. Von Amts wegen werden nur die Fälle neu aufgerollt, in denen wegen Einsprüchen über das Kindergeld noch nicht abschließend entschieden wurde. In den anderen Fällen müssen die betroffenen Eltern entgangenes Kindergeld für die Vergangenheit beantragen.Es kann auch dann erneut beantragt werden, wenn das Kindergeld bereits abgelehnt wurde - dann wird es aber nur für die Zeit nach der rechtskräftigen Ablehnung gewährt. Besser ergeht es denjenigen, die erst gar keinen Antrag gestellt haben. Sie können zumindest ab Anfang 2001 Kindergeld bekommen, wenn sie nachträglich die Voraussetzungen auf Kindergeld erfüllen.

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