Kindersitze: Nicht alle bestehen den Crash-Test

München - Manche Kindersitze bieten keinen ausreichenden Schutz: Vier Modelle überstanden den jüngsten Crash-Test des ADAC und der Stiftung Warentest nicht. Aber es gibt auch gute Produkte, beim Kauf sollten Eltern deshalb bedacht zugreifen.

Der Reifenhersteller Michelin reagierte prompt. Kaum drang das vernichtende Urteil vergangene Woche nach außen, rief das französische Unternehmen seinen Kindersitz "Cockpit" zurück. Die Experten des ADAC hatten dem Modell die Note "mangelhaft" verpasst, nachdem beim simulierten Frontalaufprall Bauteile barsten. Das, notierten die Ingenieure, habe "beim Dummy zu hohen Belastungswerten" geführt. Anders ausgedrückt: Im realen Straßenverkehr hätte sich das kleine Unfallopfer schwer verletzt.

Erschreckt hat die Fachleute, dass im Testlabor drei weitere in Deutschland erhältliche Kindersitze versagten. So viele Durchfaller habe es bei der jährlichen Untersuchung lange nicht gegeben, sagt Cheftester Andreas Ratzek. Grund dafür ist nach seiner Ansicht, dass verstärkt Produkte von geringerer Qualität in den Handel gelangen. Diese tragen zwar häufig das vom Gesetz geforderte Prüfsiegel des ECE (Economic Commission for Europe). Doch der ADAC stellt in seinem Härtetest höhere Anforderungen an die Sitz-Sicherheit als die europäische Gemeinschaftsnorm.

Es gibt aber auch eine Reihe von Produkten, die den Ansprüchen gerecht werden. Europas größter Automobilclub und die Berliner Stiftung Warentest vergaben in der gemeinsamen Untersuchung immerhin an die Hälfte der 28 geprüften Kindersitze die Note "gut". "Vom Baby bis zum Schulkind, für jedes Alter gibt es sichere Autokindersitze", lautet das in der Zeitschrift "Test" (Juni/2008) veröffentlichte Fazit. Das einzige "sehr gut" ging an den "Römer Baby Safe Plus", der auf Säuglinge zugeschnitten ist.

Um einen Kindersitz im Auto kommen Eltern in Deutschland nicht herum. Seit 1. April 1993 schreibt die Straßenverkehrsordnung vor, dass Kinder, die kleiner als 1,50 Meter sind, vor ihrem 13. Geburtstag, nur mit einer "amtlich genehmigten Rückhalteeinrichtung" befördert werden dürfen. Amtlich genehmigt ist ein Kindersitz dann, wenn er ein weißes oder orangenes ECE-Etikett trägt. Seit zwei Monaten sind jedoch nur noch Modelle zugelassen, die den Normen "ECE 44/03" oder "ECE 44/04" entsprechen. Die veralteten Siegel "ECE 44/01" und "ECE 44/02" haben ihre Gültigkeit verloren. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von bis zu 40 Euro und ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderdatei.

Bei der Auswahl eines Sitzes Modells sollten sich Verbraucher an den Testergebnissen orientieren, aber keinesfalls blind ein Modell bestellen, wie Andreas Ratzek rät. "Idealerweise fährt man mit dem Auto vor." Sonst könnte es passieren, dass sich der Sitz nicht auf die Rückbank passt oder das Kind unbequem sitzt.

Je nach Größe lassen sich die Modelle nach Klassen (0, 0+, I, II, III) unterscheiden. Bezüglich der Montage setzt sich immer stärker das Isofix-System durch, das in neueren Fahrzeugen mittlerweile Standard ist. Mit seiner Hilfe lassen sich die Sitze über eine Vorrichtung fest mit der Rückbank verbinden. "Das ist mit Abstand das Beste", sagt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Aber auch herkömmliche Sitze, die sich mit dem Gurt festschnallen lassen, können ausreichend Sicherheit bieten. 

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