Kinowelt-Gründer beteuert zu Prozessbeginn seine Unschuld

- München - Kinowelt-Gründer Michael Kölmel kommt nicht los von München. Hier startete seine Karriere zum Konzern-Chef und Börsenstar. Hier lebte er, als seine Kinowelt Medien AG vor zwei Jahren Pleite ging. Und hier hat sich Kölmel seit gestern wegen Untreue, Betrugs und Insolvenzverschleppung vor dem Landgericht zu verantworten. Kölmel soll Aktionäre und Gläubiger der Kinowelt um mehr als 20 Millionen Euro geschädigt haben. Ihm drohen mehrere Jahre Haft. Kölmel beteuert seine Unschuld.

<P>Laut Anklage hat Kölmel hohe Summen auf seine Privatkonten umgeleitet und seine bereits marode Sportwelt GmbH heimlich der Kinowelt-Aktiengesellschaft untergeschoben und dafür elf Millionen Euro kassiert. Zudem soll er wiederholt Geldtransfers der Kinowelt an die Sportwelt-Beteiligungsgesellschaft mbH veranlasst haben. Kölmel sagte vor Prozessbeginn: "Ich bin zuversichtlich, dass ich die Vorwürfe der Untreue entkräften kann."<BR><BR>Kölmel soll Risiken verschwiegen haben</P><P>Laut Anklage hat Kölmel bewusst zeitweise keine Bücher geführt und die Zahlungsunfähigkeit der Firmen vorsätzlich ignoriert. Banken hatten die Insolvenzverfahren gegen die völlig überschuldeten Firmen Ende 2001 und Mitte 2002 beantragt.<BR><BR>Zu den Kernpunkten der Anklage gehört eine Zahlung im Rahmen einer Übernahmekonstruktion für die Sportwelt. Die 1998 gegründete Firma sollte Fußballrechte von Traditionsvereinen wie Rot-Weiß Essen ans Fernsehen verkaufen, erwies sich aber als Fass ohne Boden. Laut Anklage beteiligte sich die Kinowelt auf Betreiben Kölmels im Mai 1999 an dem Sportrechte-Vermarkter und bekam die Option auf den Erwerb der übrigen 90 Prozent an dem Unternehmen eingeräumt. Dabei habe Kölmel erhebliche Risiken der Sportwelt-Aktivitäten verschwiegen, sagte Staatsanwalt Markus Kammann.<BR><BR>Als Kaufpreis für die Sportwelt-Anteile erhielt Kölmel laut Anklage 30 Millionen Mark. "Eine Zahlung ohne jede Berechtigung", sagte Kammann. Es sei nicht nachvollziehbar, warum das Geld überhaupt geflossen sei. Kölmel bestätigte, dass die 30 Millionen Mark auf sein Privatkonto überwiesen worden seien. "Damit wurde ein Darlehen, das ich persönlich gegeben habe, zurückgezahlt." <BR><BR>Während die vielen Kinowelt-Kleinaktionäre fast alles verloren haben, haben Michael Kölmel und sein Bruder Rainer, gegen den die Staatsanwaltschaft ebenfalls ermittelt, Geld genug, um weiterzumachen. Nach der Pleite haben sie das Filmrechte-Geschäft der Kinowelt mit Zustimmung der Gläubigerbanken wieder übernommen. Rund 30 Millionen Euro kostete sie die havarierte Kinowelt AG. Den Sitz der Firma mit inzwischen 80 Mitarbeitern verlegten sie nach Leipzig, die örtliche Sparkasse gewährte 17,3 Millionen Euro Kredit. Kölmel sagte, er wolle die neue, "sehr profitable" Kinowelt später in die insolvente AG einbringen und so die Altaktionäre am Sanierungserfolg beteiligen.<BR><BR>Angefangen hat Michael Kölmel ganz klein. Vor Gericht erzählte der Angeklagte, wie er seine Filmhandelsfirma aufgebaut hat. Als Mathematikstudent hatte Kölmel in Göttingen ein Filmfest organisiert, dann seinen gebrauchten VW verkauft, um den ersten Kinofilm zu finanzieren. "Der Erfolg führte dazu, dass ich so etwas weiter machen wollte." Zwischen 1987 und 1989 etablierte er als Chefredakteur die Zeitschrift "Börse online" auf dem Markt und startete dann als Verleger der Zeitschrift "Finanzen". "Ich wollte selbst beteiligt sein, an dem, was ich aufbaue." Erst 1997 konzentrierte er sich wieder ganz auf seine Firma Kinowelt. Er kaufte die Rechte an dem Hit "Der Englische Patient". Ein Jahr später ging er mit dem Unternehmen an die Börse.</P>

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