Kinowelt-Prozess: Kölmel droht Gefängnis

- München - Mit Michael Kölmel steht erneut ein gefallener Börsenstar vor Gericht. Wegen Untreue, Betrugs und anderer Delikte droht ihm eine Haftstrafe. Der Angeklagte hält sich für unschuldig.

<P>Auch mit einem Umzug quer durch die halbe Republik kann man die eigene Vergangenheit nicht einfach hinter sich lassen. Spätestens am morgigen Mittwoch wird das dem Medienmanager Michael Kölmel bewusst werden. Dann steht der 50-Jährige, der beruflich in Leipzig gerade einen Neuanfang sucht, in München vor Gericht. Der Mann, der einst zu den Vorzeigemanagern des untergegangenen Börsensegments Neuer Markt zählte, muss sich in der Stadt seines Aufstiegs und Niedergangs wegen Untreue in 15 Fällen, Insolvenzverschleppung und Betrugs verantworten.</P><P>Geht es nach der Staatsanwaltschaft, die über zwei Jahre ermittelt hat, wird Kölmel nicht wie der voriges Jahr angeklagte Kollege Thomas Haffa mit einer Geldstrafe davonkommen. Anders als der EM-TV-Gründer soll der Chef des Filmrechtehändlers Kinowelt für mehrere Jahre ins Gefängnis.</P><P>Nach den Erkenntnissen der Ermittler hat Pleitier Kölmel vor der Insolvenz seiner Hauptfirma Kinowelt Ende 2001 insgesamt rund 30 Millionen Euro verschoben und teils auf eigene Konten gelenkt. Der Vorwurf der Insolvenzverschleppung bezieht sich auf Sportwelt, die Zweitfirma des gebürtigen Karlsruhers, die 2002 ebenfalls Pleite ging.</P><P>Der Verteidigung ist wenig über ihre Strategie zu entlocken. Er sei zuversichtlich, die Unschuld seines Mandanten beweisen zu können, sagt Anwalt Kurt Bröckers lediglich. Die vom Staatsanwalt beanstandeten Geldströme will er offenbar als legalen Rückfluss von Geldern nach einer Vorfinanzierung diverser Geschäfte durch Kölmel verstanden wissen.</P><P>In der Anklageschrift liest sich das anders. Kölmel veranlasste demnach mehrere Zahlungen der Kinowelt in Millionenhöhe zu eigenen Gunsten. Und zwar ohne Gegenleistung, Sicherheiten oder vertragliche Grundlage, wie die Staatsanwälte meinen. Auch in Sportwelt habe er hohe Summen gelenkt, obwohl seit Mitte 2001 die Zahlungsunfähigkeit absehbar gewesen sei.</P><P>Die Brisanz des Falls Kölmel geht aber über den Gerichtssaal hinaus. Denn der Pleitier ist auch heute wieder Kinowelt-Chef, genauer gesagt, Herr der zweiten Kinowelt. Denn ein Jahr nach dem Fall seines Unternehmens konnte der dafür verantwortliche Manager zur allgemeinen Überraschung 2002 den Kern der Insolvenzmasse mit Zustimmung der Gläubigerbanken und einem Kredit der Leipziger Sparkasse für 32 Millionen Euro zurückkaufen. Die neue Kinowelt wurde nach Leipzig umgesiedelt. Ihre 80 Mitarbeiter machten voriges Jahr 45 Millionen Euro Umsatz.</P><P>"Wenn die Vorwürfe gegen mich zutreffen würden, hätte ich von den Gläubigerbanken der Kinowelt doch nie den Zuschlag für den Rückkauf bekommen", ließ der Angeklagte jüngst wissen. Ob die fehlenden Skrupel der Kreditinstitute, die 300 Millionen Euro Kredit in die Kinowelt gepumpt hatten, vor Gericht als Argument taugen, bleibt abzuwarten. Die Verhandlung dauert voraussichtlich bis Ende Juli.</P>

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