Kirch: Banken jetzt im Filmgeschäft

- München - Die insolvente Kirch Media AG geht nach der geplatzten Übernahme mit US-Investor Haim Saban in eine ungewisse Zukunft. Vor allem die 200 Mitarbeiter im Rechtehandel bangen. Die Belegschaft sehe nur einen "kleinen Hoffnungsschimmer" für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, sagte Kirch-Media-Betriebsratschef Guido Bucholtz. Er fürchtet, dass die Banken, die nun für Saban in die Bresche springen, eine Abwicklung ihrer Sparte planen und nicht mehr in den Einkauf neuer Filme investieren.

<P>Rund 1000 Stellen seien seit der Insolvenz der einmal 5800 Mitarbeiter zählenden Kirch Media im April 2002 schon verloren gegangen. "Den Teufel nicht an die Wand malen", will Kollege Hubertus Steinacher. Der Pro-Sieben-Sat.1-Betriebsratschef, der gut 3000 Mitarbeiter vertritt, glaubt zumindest für die TV-Gruppe auch unter Regie der Banken an eine Zukunft ohne tiefe Einschnitte. Bei einem Abrücken davon würden sich die Banken, die in zwei Jahren einen neuen Verkaufsversuch starten wollen, ins eigene Fleisch schneiden und eine "unternehmerische Kardinalsünde" begehen.</P><P>Die Gläubigerinstitute mit Commerzbank, Bayerischer Landesbank und HypoVereinsbank an der Spitze müssen nach dem Aus für Saban die TV-Gruppe nun selbst finanzieren und wollen zu deren Hauptversammlung Mitte Juni Details ihres "Plan B" präsentieren. Zugesagt haben sie bislang eine Kapitalerhöhung, wobei eine Lücke zwischen Angebot und Bedarf klafft. In der Tagesordnung zum Eignertreffen wird der Umfang der Kapitalspritze auf maximal 97,24 Millionen Euro beziffert. "Wir benötigen 200 bis 300 Millionen Euro", stellte ein Sprecher der TV-Gruppe klar und verwies zugleich auf ungenannte, andere Finanzierungsmöglichkeiten. Auch ein Sprecher der Kirch Media will sich vorerst keine weiteren Details zur Zukunft des Pleiteunternehmens entlocken lassen. </P><P>"Plan B wird nicht funktionieren", schätzt dagegen ein anderer Branchenkenner. Wenn Kirch Media, wie von den Banken bekundet, auf Jahre im Insolvenzstatus fortgeführt wird, werde das die Gesellschaft schädigen. Diese Lage erschwere jedes Neugeschäft. Zudem hätten die nun in der Pflicht stehenden Banken vom TV-Geschäft keine Ahnung. </P><P>Hinter vorgehaltener Hand wird auch bei Pro-Sieben-Sat.1 einige Skepsis am Plan B laut. Der habe den "Charakter eines Notplans". Man habe zuletzt stark unter dem Einbruch der TV-Werbemärkte und der Insolvenz des Mutterkonzerns Kirch Media gelitten. Beides ändere sich vorerst nicht.</P><P>Bei den Banken hofft Pro-Sieben-Sat.1 auf eine Bereitschaft zur Umschuldung der netto 908 Millionen Euro Finanzschulden. "Den Laden zumachen ist kein Eckpfeiler von Plan B", heißt es zur Zukunft der Kirch Media aus Kreisen der nun verantwortlichen Banken und Kirch-Sanierer. Das gelte auch für den Filmrechtehandel. Am Scheitern der Verhandlungen mit Saban fühle man sich im übrigen unschuldig. Der angeblich überliquide US-Milliardär habe die rund zwei Milliarden Euro teure Finanzierung zur Übernahme der Insolvenzmasse schlicht nicht zusammenbekommen und bis zuletzt gepokert. Während die einen ihn nun endgültig aus dem Spiel sehen, hat Saban selbst offenbar noch Hoffnungen. Nach dem Eignertreffen bei Pro-Sieben-Sat.1 stehe er wieder für Gespräche bereit, ließ der US-Investor wissen. </P><P>Zumindest vorerst wollen die Banken aber weder von Saban noch vom Hamburger Bauer-Verlag etwas wissen. Die Kreditinstitute, für die rund 1,5 Milliarden Euro Kirch-Kredite im Feuer stehen, schicken nun selbst Vertreter in den Aufsichtsrat der Pro-Sieben-Sat.1. Führen soll die Gesellschaft weiter Urs Rohner. Der hat sich schon zu den noch vagen Bankenplänen bekannt. <BR><BR></P>

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