Kirch contra Breuer: Gericht will Topmanager als Zeugen hören

- München - Im Prozess um die Schadenersatz-Klage Leo Kirchs gegen die Deutsche Bank und ihren Ex-Chef Rolf Breuer will das Oberlandesgericht (OLG) München eine Reihe von Zeugen aus den Chefetagen des Kirch-Konzerns, möglicherweise auch mehrerer deutscher Großbanken laden. Wie berichtet, wirft Leo Kirch seinem Erzrivalen Breuer vor, ihm in einem Fernsehinterview im Februar 2002 die Kreditwürdigkeit abgesprochen und damit dem angeschlagenen Medienimperium den Todesstoß versetzt zu haben.

<P>Es war eines dieser Interviews, das Finanzinsider aufhorchen lässt. Auf die Frage eines TV-Reporters, ob Kirch noch unterstützt werde, antwortete Breuer, der damals auch dem Bundesverband deutscher Banken vorstand: "Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." </P><P>Vorwurf: Bankgeheimnis<BR>massiv verletzt</P><P>Eine Äußerung, die in der Finanzwelt wie in der Fachpresse gleichermaßen für Aufruhr sorgte. Aus Kirchs Sicht führte sie dazu, dass das Medienimperium in den nachfolgenden Kreditverhandlungen mit anderen Banken keine Chance mehr hatte und am 8. April 2002 Insolvenz anmelden musste. Breuer habe interne Informationen preisgegeben und damit das Bankgeheimnis massiv verletzt, so der Vorwurf.<BR><BR>Das Landgericht München I hatte Kirch - dem es nach eigener Aussage nicht ums Geld, sondern um Gerechtigkeit geht - in erster Instanz Recht gegeben. Die Anwälte Breuers und der Deutschen Bank waren in Berufung gegangen. Für einen Kausalzusammenhang sehen sie keinen Hinweis. "Die Kirch-Banken hatten eigene Informationen, die weitaus besser und umfassender waren als die von Herrn Breuer", sagte Breuer-Anwalt Herbert Sernetz. Außerdem sei die Passage nur eine Meinungsäußerung des Bankchefs gewesen.<BR><BR>Ganz anders die Kirch-Anwälte Peter Gauweiler und Wolf-Rüdiger Bub: "Breuer ist eine der ersten, wenn nicht die allererste Autorität auf dem Finanzsektor", sagte Gauweiler. Die eindeutige Interpretation seiner Äußerung in den Medien sei außerdem nie von Breuer dementiert worden. Dass das Gericht nun eine Beweisaufnahme will, werten die Anwälte als gutes Zeichen. "Es wurden die Zeugen geladen, auf deren Aussagen wir unsere Klage stützen", freute sich Bub. </P><P>500 Millionen Euro<BR>Schadenersatz?</P><P>Zunächst sollen am 5. November der ehemalige Kirch-Vize Dieter Hahn sowie Lothar Lanz, Finanzvorstand der Pro-Sieben-Sat.1 Media AG, gehört werden. In einem zweiten Durchgang könnten auch der Ex-Hypovereinsbank-Chef Albrecht Schmidt sowie Klaus Adam, Vorstandschef der Landesbank Rheinland-Pfalz, auf die Zeugenbank zitiert werden. Zudem will das Gericht das Video mit dem Interview zeigen. Wie viel Schadenersatz Kirch fordert, wird erst nach Abschluss des Insolvenzverfahrens feststehen. Doch schon jetzt ist die Rede von rund 500 Millionen Euro.<BR><BR>Unterdessen dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen Breuer wegen Kreditverleumdung weiter an. Nach einer Durchsuchung zweier Büros sowie eines Privathauses im Juli prüfe derzeit das hessische Landeskriminalamt die sichergestellten Unterlagen, sagte Gauweiler. <BR></P>

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