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Die beiden Widersacher: Im vergangenen Jahr trafen Leo Kirch (l.) und Rolf Breuer (r.) vor dem Oberlandesgericht München erstmals aufeinander. Kirch erlebte den Ausgang des Prozesses nicht mehr, er verstarb im Juli 2011.

Kirch-Erben: Deutsche Bank kauft sich frei

München - Es ist nicht der erste Anlauf für einen Vergleich, doch diesmal scheinen sich die Parteien einig zu sein: 800 Millionen Euro soll die Deutsche Bank an die Erben von Leo Kirch zahlen. Profitieren würden auch Kirchs Gläubiger – und die neuen Chefs von Deutschlands größter Bank.

Das Jubiläum ist erst zehn Tage her: Am 4. Februar 2002, vor genau zehn Jahren, gab der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer ein verhängnisvolles Fernsehinterview. Auf die Frage, ob der Mediengruppe von Leo Kirch, die in finanziellen Schwierigkeiten steckte, weiterhin Geld geliehen werde, antwortete Breuer ungelenk: „Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

Kurz darauf war Kirch pleite und für ihn stand fest: „Erschossen hat mich der Rolf.“ Seitdem klagte Kirch sich durch die Instanzen und auch nach seinem Tod im vergangenen Jahr führten die Erben die Prozesse fort. Breuer beteuerte im vergangenen Jahr, es habe sich bei dem Interview um einen „Unfall“ gehandelt.

Nun scheint ein Ende des Streits greifbar nahe – allerdings nicht zum ersten Mal. Schon einmal war man sich einig, 960 Millionen Euro sollte die Deutsche Bank nach Vermittlung des ehemaligen Staatsministers Otto Wiesheu bezahlen, doch der Vergleich scheiterte in letzter Minute, weil der Vorstand der Deutschen Bank nicht zustimmte. Jetzt ist es wieder so weit. Nach Informationen unserer Zeitung einigten sich die Unterhändler beider Seiten auf rund 800 Millionen Euro – allerdings fehlt wieder die Zustimmung des Gremiums um Bank-Chef Josef Ackermann.

Doch diesmal spricht vieles dafür, dass der Vorstand bald grünes Licht geben wird. Denn Ackermann übergibt seinen Posten im Mai an seine Nachfolger Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Ackermann betonte stets, er wolle geordnete Verhältnisse hinterlassen. Dazu gehört offenbar, dass sich nicht auch noch ein dritter Vorstandschef nach Breuer und Ackermann mit der Causa Kirch herumschlagen soll. „Grundsätzlich treten wir entschieden für unser Recht ein“, sagte Ackermann bei der Vorstellung seiner letzten Bilanz. Aber: „Wo es wirtschaftlich Sinn macht, vergleichen wir uns.“

Bei der Deutschen Bank ist man nun offenbar zu dem Schluss gekommen, dass es im Fall Kirch Sinn ergibt, sich zu einigen. Noch vor wenigen Wochen schienen die Fronten verhärtet. Die Deutsche Bank hatte einen Vergleichsvorschlag des Oberlandesgerichts München über 775 Millionen Euro abgelehnt und einen Befangenheitsantrag gegen die Richter gestellt. Grund für den Antrag waren Ermittlungen gegen Ackermann, Breuer und zwei weitere Ex-Vorstände wegen angeblichen Falschaussagen. Der nun gefundene Vergleich basiert auf dem Vorschlag der Münchner Richter. Inklusive Zinsen soll die Bank rund 800 Millionen bezahlen.

Doch wer profitiert von einer Einigung? Neben den künftigen Chefs Jain und Fitschen, die wenigstens eines der zahlreichen Verfahren, in die die Deutsche Bank verwickelt ist, zu den Akten legen können, vor allem die Erben von Leo Kirch. Neben seiner Witwe Ruth und seinem Sohn Thomas, wird auch Kirchs ehemaliger Manager und rechte Hand Dieter Hahn Geld bekommen. Das hatte er bereits im vergangenen Jahr bei seiner eigenen Aussage vor dem Oberlandesgericht bestätigt.

Doch die Kirch-Erben erhalten nur die Hälfte der 800 Millionen Euro. Die andere Hälfte steht den Gläubigern der Mediengruppe zu. Nach Informationen unserer Zeitung hielt der Insolvenzverwalter Michael Jaffé eine Klage gegen die Deutsche Bank für nicht erfolgversprechend genug, um sie selbst anzustrengen. Er habe deshalb mit der Kirch-Seite die Vereinbarung geschlossen, dass diese die Kosten und damit das Risiko der Klage übernimmt und dafür die Hälfte der möglichen Entschädigung bekommt.

Das Geld für die Prozesse soll von Ruth Kirch stammen, der ihr Ehemann vor seiner Pleite einen Teil des Vermögens übertragen haben soll. Die Kirch-Seite ging mit den Prozessen ein beträchtliches Risiko ein. Laut Verfahrensbeteiligten kostete der Streit allein die Erben des Medienmoguls rund 30 Millionen Euro.

Philipp Vetter

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