Leo Kirch erringt Teilsieg über Breuer

- Karlsruhe - Eine Überraschung hatte Gerd Nobbe doch parat. Zwar hatte der Senatsvorsitzende beim Bundesgerichtshof (BGH) im Dezember durchblicken lassen, dass Leo Kirch im Streit mit der Deutschen Bank mit einem Teilerfolg rechnen kann. Dass der Medienunternehmer nun Rolf Breuer persönlich haftbar machen kann, dürfte Kirch tief befriedigt haben - schließlich lastet er dem Ex-Chef der Deutschen Bank an, seinem Konzern den Todesstoß versetzt zu haben.

Längst geht es um mehr als um Prozesstaktik und Paragrafen. Der einstige Herrscher über ein Medienimperium scheint getrieben vom Zorn auf jenen Mann, der ihn mit einem Satz in den Abgrund gerissen hat: "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen", kommentierte Breuer in einem TV-Interview am 4. Februar 2002 Kirchs Kreditwürdigkeit - im Überlebenskampf der Kirch-Gruppe.

Nun kann Kirch wohl einen Ausgleich durchsetzen, der aber nie in die Nähe der kolportierten fünf Milliarden Euro Schaden kommen wird. Der BGH hat nun die Tür zu einem weiteren Prozess geöffnet - für die Printbeteiligungs GmbH, der Kirch-Tochter, die das 40-prozentige Springer-Paket gehalten hatte. Die "Print" war Deutsche-Bank-Kundin über einen 718 Millionen Euro schweren Kredit. Breuer hätte ihre Kreditwürdigkeit nicht in Gefahr bringen dürfen.

Doch sind hohe Hürden zu überwinden. Kirchs Anwälte müssen nachweisen, dass nicht die marode Situation des Konzerns, sondern Breuers Äußerungen den Schaden verursacht haben. Und sie müssen ihn beziffern. Grundlage dafür dürften 667 Millionen Euro sein, für die das Springer-Paket im Herbst 2002 von der Deutschen Bank ersteigert worden war. Könnte Kirch belegen, dass er einen höheren Preis hätte erzielen können, dann könnte er die Differenz fordern. Im Februar 2002 war noch von 1,1 Milliarden Euro die Rede gewesen. Nach den Worten seines Anwalts Wolf-Rüdiger Bub erwägt Kirch eine Klage in dreistelliger Millionenhöhe. Ex-Kirch-Vize Dieter Hahn bezeichnete den Schaden als erheblich: "Er dürfte selbst für die Deutsche Bank bilanziell relevant sein."

Peter Heckel, Anwalt der Deutschen Bank, sieht nach dem Urteil dagegen denkbare Ansprüche Kirchs drastisch reduziert. "Ich rechne nicht damit, dass jemals Schadenersatzleistungen auf uns zu kommen." Ob die Beteiligten sich - wie Nobbe anmahnte - außergerichtlich einigen können, dürfte aber nicht nur von Zahlen abhängen. Kirchs Anwalt Bub warf die Frage auf, ob Breuer als Aufsichtsratsvorsitzender nicht seinen Hut nehmen müsse. Kirch - so mag man das verstehen - könnte konzilianter werden, wenn Breuer nicht mehr im Spiel wäre.

Auch für die Deutsche Bank stehen Werte auf dem Spiel, die sich nicht auf dem Konto beziffern lassen. Nobbe brachte das Thema "Image" ins Spiel, um die Bank zum Einlenken zu bewegen. Ein weiterer Rechtsstreit durch alle Instanzen dürfte der Reputation der Bank nicht förderlich sein.

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