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Für Leo Kirch (Archivbild vom März 2011) ist die Deutsche Bank Schuld am Zusammenbruch seines Lebenswerks vor neun Jahren.

Kirch gegen Deutsche Bank: Gericht glaubt nicht an Verschwörung

München - Das Oberlandesgericht München untersucht die Umstände der Kirch-Pleite 2002 akribisch. Eine Verschwörung der Deutschen Bank gegen Kirch sehen die Richter bisher nicht. Doch auch an der Darstellung der Bank haben sie große Zweifel.

Für Leo Kirch ist die Deutsche Bank Schuld am Zusammenbruch seines Lebenswerks vor neun Jahren. Die Bank und ihr damaliger Chef Rolf Breuer weisen das zurück. Seit Jahren und quer durch alle Instanzen kämpft Kirch um Milliarden von Deutschlands größter Bank. In der neusten Auflage vor dem Oberlandesgericht München prüfen die Richter die Vorwürfe akribisch. Doch an eine Verschwörung glaubt der Senat bisher nicht. Aber auch die völlige Unschuld der Bank halte er derzeit für wenig wahrscheinlich, sagte der Vorsitzende Richter Guido Kotschy am Mittwochabend. Er rate beiden Seiten erneut dringend, sich um einen Vergleich zu bemühen.

“Zum einen dürfte sich die sogenannte Verschwörungstheorie, die Darstellung der Klägerseite, nach jetzigen Stand eher nicht als wahr erweisen“, sagte Kotschy nach dem fünften Verhandlungstag. Aber auch die Darstellung der Bank, das Geschehen als bloßen Unfall darzustellen, sei wohl nicht zutreffend. Bisher hat Kotschy viele Prominente gehört, weitere werden folgen, möglicherweise auch Altkanzler Gerhard Schröder. Leo Kirch war da, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder Ex-Bertelsmann-Boss Thomas Middellhoff.

Dabei ging es vor allem um die Umstände vor der Pleite und ob es Absprachen unter Federführung der Deutschen Bank gab, Kirch in die Enge zu treiben. Ein zentraler Punkt dabei ist ein Interview, dass der damalige Bank-Chef Breuer im Februar 2002 gab. Das kurze Gespräch mit dem Fernsehsender Bloomberg TV ist ein zentraler Teil des Milliarden-Dramas um die Kirch-Pleite. Einen Tag nach der Ausstrahlung am 4. Februar 2002 berichtete die “Financial Times Deutschland“ in großer Aufmachung über das Interview, in dem Breuer die Kreditwürdigkeit Kirchs in Zweifel zog - unter der Überschrift “Deutsche Bank stellt Leo Kirch bloß“.

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Anschließend war eine heftige öffentliche Debatte über die Zukunft des bereits schwer angeschlagene Medienimperiums entbrannt. Kirchs Firmengeflecht brach Wochen danach zusammen. Kirch macht vor allem wegen dieses Interviews Breuer und die Deutsche Bank für den Untergang seines Lebenswerks verantwortlich. Das Gespräch könnte Teil eines Plans gewesen und die Fragen nach Kirch vorher vereinbart worden sein, vermutet die Kirch-Seite. Richter Kotschy glaubt daran bisher wohl nicht. Das Breuers Aussagen aber nur ein Unfall waren, dass scheint Kotschy bisher auch nicht glaubhaft.

“Wir vermögen nicht auszuschließen, dass Herr Dr. Breuer eine sich zufällig bietende Gelegenheit aufgegriffen hat, um geschäftliche Interessen der Deutschen Bank gegen Herrn Kirch und seine Unternehmensgruppe zu verfolgen“, sagte Kotschy, nachdem er die Bloomberg-Journalisten und den damaligen Vizechef der Presseabteilung der Deutschen Bank vernommen hat. “Wir würden es für außerordentlich sinnvoll halten, wenn sich die Parteien, wieder in Vergleichsverhandlungen begeben würden.“

Nach den Aussagen des Tages steckt hinter dem Interview selbst kein Plan. “Das Thema habe ich völlig selbstständig abgefragt“, sagte der damalige Reporter von Bloomberg TV, Michael Storfner. Auch die Bank sieht das so. Das Thema Kirch sei auf keinen Fall geplant gewesen - und kam überraschend zur Sprache. Minutiös geht das Gericht mit den Zeugen das Interview durch, alles interessiert die Richter: Wo standen Sessel, wie standen Lampen, wer war im Raum? Um jede Formulierung im Protokoll der Sitzung wird lange gerungen.

Auch der damalige Vizechef der Presseabteilung der Deutschen Bank, Detlev Rahmsdorf, sagte, Fragen zu Kirch seien nicht abgesprochen gewesen. “Ich war sehr überrascht, als das Thema während des Interviews angesprochen wurde.“ Auch der damalige stellvertretende Büroleiter von Bloomberg TV in Frankfurt, Andreas Scholz, sagte, das Thema habe in den Vorbesprechungen keine Rolle gespielt. Auch nach der Ausstrahlung habe man dem Kirch-Thema keine größere Bedeutung beigemessen. Erst die große Berichterstattung am Tag nach der Sendung habe die Lage geändert. Sowohl Storfner, als auch Scholz sagte, sie hätten die Brisanz der Äußerungen Breuers zunächst nicht erkannt. “Das muss ich selbstkritisch einräumen“, sagte Scholz.

Von Sebastian Raabe

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