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Kirch-Pleite zieht weitere Kreise

Trotz Insolvenz Millionen ausgezahlt: - München ­- Die Pleite des sagenumwobenen Medienunternehmers Leo Kirch zieht auch fünf Jahre danach ihre Kreise. Nachdem viele Gläubiger noch immer auf ihr Geld warten und Kirch mit der Deutschen Bank um einen Milliarden-Ausgleich ficht, muss sich der frühere Filmhändler jetzt einer neuen Klage stellen: Kurz vor dem Untergang soll er Millionen auf die Seite geschafft haben.

Der Insolvenzverwalter der früheren Kirch Holding wirft dem Firmengründer und fünf anderen früheren Geschäftsführern vor, noch nach dem 5. Februar 2002 Geld ausgezahlt zu haben, obwohl die Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt längst überschuldet war. Das Unternehmen, unter dessen Dach unter anderem die Kirch-Media (heute: ProSiebenSat.1) und Kirch Pay-TV (heute: Premiere) gruppiert waren, meldete erst am 12. Juni 2002 Insolvenz an.

Nach Auffassung des Holding-Verwalters Kurt Bruder müssen die Manager deswegen für sämtliche Transaktionen persönlich geradestehen, die sie nach dem Februar-Termin veranlasst haben.

Insgesamt sollen die sechs Beklagten bis zur Pleite noch an die tausend Zahlungen über rund neun Millionen Euro angeordnet haben. Die höchste davon tätigte Kirch angeblich selber: Ende Februar 2002 soll er 2,5 Millionen Euro privat entnommen haben. Dazu läuft allerdings bereits seit 2004 ein Verfahren vor dem Landgericht München. Die aktuellen Vorwürfe Bruders sollen erstmals am 23.  April verhandelt werden. Treffen sie zu, könnte das neben Schadenersatzzahlungen auch strafrechtliche Konsequenzen haben.

Leo Kirch sieht der Klage dennoch gelassen entgegen. "Er ist allerbester Dinge", sagte ein Sprecher des Unternehmers auf Nachfrage. Der 80-Jährige weise die Ansprüche des Insolvenzverwalters zurück. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" sagte der Sprecher: "Die Staatsanwaltschaft hat im Zusammenhang mit der Insolvenz bereits jeden Stein mehrmals umgedreht und nichts gefunden." Allerdings ließen die Ermittler schon durchblicken, dass sie die Nachforschungen wieder aufnehmen werden, sollten sich neue Anhaltspunkte ergeben.

Doch daran glaubt Kirch nicht. Vielmehr versucht er, die Klage Bruders für seinen Rechtsstreit gegen die Deutsche Bank auszunutzen. Denn Bruder ist der Ansicht, dass die Kirch Holding deswegen am 5. Februar 2002 zahlungsunfähig wurde, weil der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer einen Tag vorher in einem TV-Interview an der Kreditwürdigkeit Kirchs gezweifelt hatte. Andere Banken seien danach nicht mehr bereit gewesen, Darlehen an den Medienkonzern zu vergeben, argumentiert Bruder.

Denselben Standpunkt vertritt Leo Kirch seit Jahren. Der Unternehmer fordert deswegen über eine Milliarde Euro Schadenersatz, nachdem der Bundesgerichtshof Anfang 2006 geurteilt hatte, dass die Deutsche Bank grundsätzlich für die durch die Äußerung entstandenen Schäden haften muss. Das Geldhaus weist die Forderungen bislang jedoch zurück. Kirchs Anwälte erwägen deswegen, vor Gericht zu ziehen, um den Anspruch durchzusetzen. Allerdings müssen sie dann die entstandenen Schäden beweisen ­ die neue Klage gegen Kirch könnte ihnen dabei zugute kommen.

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