Leo Kirch will Milliarden einklagen

Deutsche Bank: - Leo Kirch wirft der Deutschen Bank Rufmord vor und will nun Milliardensummen an Schadenersatz einklagen. Das dürfte die Gerichte auf Jahre beschäftigen.

München - Der alte Mann will es wissen. Pleitier und Ex-Medienmogul Leo Kirch hat seine Drohungen wahr gemacht und die Deutsche Bank sowie deren ehemaligen Topmanager Rolf Breuer auf eine Milliardensumme verklagt, weil er beide für den Untergang seines Medienimperiums vor fünf Jahren verantwortlich macht. Das bestätigt das Landgericht München, wo der 80-Jährige seine Klage eingereicht hat.

Schon bei der genauen Summe, um die es geht, wird es aber Kirch-typisch diffizil. "Herr Kirch macht einen bezifferten Schaden von 1,2 Milliarden Euro geltend", sagte Justizsprecher Tobias Pichlmaier. Dazu gebe es einen unbezifferten Anteil, den die Kirch-Anwälte offenbar bei rund 300 Millionen Euro sähen. Denn insgesamt liege der Klageschrift ein für die Gerichts- und Anwaltskosten relevanter Streitwert von über 1,5 Milliarden Euro zu Grunde. Auf 1,6 Milliarden Euro inklusive Zinsen beziffert ein Kirch-Vertrauter die Summe. Es wird in jedem Fall happig.

"Erschossen hat mich der Rolf."

Leo Kirch

Einen Verhandlungstermin gibt es laut Gericht noch nicht. Länger als bis Frühjahr 2008 dürfte es aber nicht dauern, bis der wohl spektakulärste Schadenersatzprozess der deutschen Justizgeschichte beginnt, schätzen Rechtsexperten. Wahrscheinlich ist, dass die Deutsche Bank zur Kasse gebeten wird, weil der Bundesgerichtshof 2006 letztinstanzlich bereits entschieden hat, dass Kirch grundsätzlich Schadenersatz zusteht. Nun geht es nur noch um die Höhe der Summe.

Das Frankfurter Geldhaus sieht das naturgemäß anders. "Wir halten die Ansprüche für unbegründet", kommentierte ein dortiger Sprecher die Klage. Kirch versuche lediglich von seiner eigenen Verantwortung für die seinerzeitige Milliardenpleite abzulenken. In dieser Sicht liegt mit Blick auf die rechtskräftigen bisherigen Urteile eine gehörige Portion Wunschdenken. Was die Deutsche Bank und Breuer nach bisher einhelliger Sicht der Gerichte schadenersatzpflichtig macht, ist ein mittlerweile fast legendärer Satz des einstigen Konzernchefs vom Februar 2002. "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen", hatte Breuer seinerzeit in einem Interview gesagt. "Kirch ist so klamm, dass ihm niemand mehr Geld leiht, wenn kein Wunder geschieht", heißt das in etwa übersetzt.

Den Dauerzwist aus persönlicher Rache

bekommt auch Ackermann zu spüren

Wenn ein Topbanker wie Breuer so etwas öffentlich sagt, bleibt das nicht ohne Folgen, argumentieren die Kirch-Anwälte. Die Deutsche Bank habe die Kirch-Gruppe absichtlich in den Ruin getrieben, um an der späteren Zerschlagung profitieren zu können. "Erschossen hat mich der Rolf", ließ Kirch selbst in einem seiner spärlichen Interviews wissen. In der Tat musste die Kirch-Gruppe mit einmal 10 000 Beschäftigten zwei Monate danach zahlungsunfähig Konkurs anmelden.

Beim Dauerzwist zwischen Deutscher Bank und Leo Kirch geht es aber nicht nur um sehr viel Geld. Dieser ist zum Teil wohl auch ein Stück persönliche Rache, was Episoden wie die jüngste Hauptversammlung der Bank zeigen. Dort hatten Kirchs Mannen den heutigen Vorstand Josef Ackermann und auch viele Aktionäre mit langen Debatten um die Rechtmäßigkeit von Beschlüssen gepiesackt.

Weitaus ernster ist fraglos die jetzige Milliardenklage, die die Gerichte erneut auf Jahre beschäftigen dürfte. Dabei läuft Kirch, dessen Privatvermögen immer noch auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt wird, allerdings langsam die Zeit davon. Denn er ist nicht nur 80 Jahre alt sondern auch schwer zuckerkrank.

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