Kirch-Firmen wollen auch gegen Breuer klagen

- München - Die insolventen Gesellschaften des Medien-Unternehmers Leo Kirch wollen angeblich dessen Schadenersatzklage gegen den früheren Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer beitreten. Der "Spiegel" berichtete, dies werde heute voraussichtlich der Gläubigerausschuss beschließen.

<P>Kirch wirft Breuer vor, ihn und seine Unternehmungen mit umstrittenen Äußerungen über die Kreditwürdigkeit des Konzerns in den Ruin getrieben zu haben. Das Landgericht München hatte Breuer im Februar dieses Jahres der Verletzung des Bankgeheimnisses für schuldig befunden und die Deutsche Bank zu unbeschränktem Schadenersatz verurteilt. Gegenwärtig findet das Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht in München statt. Sollten Breuer und die Deutsche Bank verurteilt werden, müsste die Höhe des Schadenersatzes in einem weiteren Prozess festgelegt werden. Kirchs Anwälte schätzen den durch Breuer angerichteten Schaden auf 100 Millionen Euro.</P><P>Laut "Spiegel" ist es die Absicht der Gesellschaften Kirch-Media, Kirch-Beteiligungen und Taurus TV, alle Schadenersatzansprüche der von der Insolvenz betroffenen Unternehmensteile gegen Breuer und die Bank in einem Pool zusammenzufassen. Dessen Ansprüche solle Kirch gemeinsam mit seinen eigenen Forderungen vor Gericht vertreten. Die Gläubiger Kirchs hätten dabei wenig zu verlieren. Die Kosten des Verfahrens, die sich nach internen Schätzungen zwischen 30 und 50 Millionen Euro belaufen dürften, werde Kirch allein tragen, schreibt der "Spiegel".</P><P>Nach Darstellung des Magazins mehren sich zudem die Anzeichen, dass Kirch Breuer und die Deutsche Bank demnächst auch in den USA verklagen wird. Bereits im Sommer habe er vorsorglich eine Statthalterklage von seinen US-Anwälten in New York einreichen lassen. Ein Prozess in den USA sei möglich, weil das umstrittene Breuer-Interview auf amerikanischem Boden geführt worden sei.</P><P>Breuer hatte vor dem Münchner Oberlandesgericht jede Mitschuld an der Insolvenz Kirchs bestritten. In dem ihm zur Last gelegten Interview habe er lediglich die von Zeitungen beschriebenen Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit wiederholt. Dabei habe er "als Privatperson" gesprochen. Dass das Interview eine große Rolle bei der Kreditentscheidung von Banken gespielt haben könnte, sei abwegig.</P><P>Der damalige Vorstandschef der Deutschen Bank hatte im Februar 2002 dem Fernsehsender Bloomberg TV gesagt, er halte weitere Bankkredite an Kirch für "relativ fraglich. Was man alles darüber lesen und hören kann ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Zwei Monate später hatte die Kirch-Media Insolvenz angemeldet.</P>

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