Kirchs letzte Altlast findet Freunde

- München - Gut eineinhalb Jahre nach dem spektakulären Kollaps des Kirch-Imperiums wird mit der Formel 1 wohl noch heuer der letzte bedeutende Teil der Insolvenzmasse verwertet. Die in der Grand Prix World Championships (GPWC) organisierten Autokonzerne werden an der Formel-1-Holding Slec beteiligt. Die Banken atmen hörbar auf.

<P>Ob die GPWC und ihre fünf Mitglieder BMW, Daimler- Chrysler, Ferrari, Ford und Renault Slec künftig mitsteuern oder die Mehrheit und die Kontrolle übernehmen, ist noch offen, sagen Insider. Grundlage für diese neue Zukunft der Formel 1 ist eine Grundsatz-Einigung zwischen dem Erfinder des Rennsportzirkus, Bernie Ecclestone, der GPWC und einer Finanzgruppe unter Führung der Bayerischen Landesbank, die drei Viertel der Slec-Anteile hält. Diese drei Parteien ringen seit Monaten um die Macht bei der Formel 1. Bei einem Treffen in Genf haben sie sich nun per Handschlag geeinigt.</P><P>"Bernie, die Banken und die Autobauer haben die Hände geschüttelt und beschlossen, dass der Deal steht", sagte ein an den Verhandlungen Beteiligter. Bis Ende des Jahres wollen die drei Parteien eine Absichtserklärung unterzeichnen und dann Details nennen.</P><P>Nach hartem Poker, bei dem die Autokonzerne bis zuletzt mit der Gründung einer eigenen Rennsportserie ab 2008 gedroht hatten, sei die Stimmung nun gut wie nie, hieß es. Die Drohung sei vom Tisch und alle Beteiligten seien optimistisch, dass der Friedensschluss auch auf dem Papier endgültig besiegelt werde. GPWC-Chef und Daimler-Chrysler-Vorstand Jürgen Hubbert sprach von einem Durchbruch. Das sehen auch die Banken so, die ihre Slec-Anteile als Pfand für einen Kredit über 1,6 Milliarden Euro an Pleitier Leo Kirch halten. Sie wollen nun durchsetzen, dass die Laufzeit der jetzigen Formel 1-Verträge über 2007 hinaus verlängert wird, um so die Werthaltigkeit ihrer Sicherheiten zu erhöhen. Dieses so genannte Concorde-Agreement bindet die Formel 1-Teams zeitlich an die lukrativste Sportveranstaltung der Welt und regelt auch die Verteilung der Gewinne.</P><P>Die wiederum wollen die Autokonzerne zugunsten ihrer Teams verändern. Es sei denkbar, dass die drei Banken einen Teil ihrer Slec-Mehrheitsbeteiligung und damit ihrer Stimmrechte in einem ersten Schritt an die GPWC weiterreichen, wenn die im Gegenzug die Laufzeit des Concorde-Agreements verlängert, heißt es. Angestrebt wird laut früheren Angaben die Verlängerung bis 2017. Es sei klar, dass in einem zweiten Schritt auch Geld von den Autokonzernen an die Banken fließen müsse, sagte ein Beteiligter.</P>

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