Klage in den USA: Kirch wittert internationale Verschwörung

- München/New York - Der gescheiterte Medienunternehmer Leo Kirch klagt in New York gegen die Deutsche Bank und ihren Ex-Chef Rolf Breuer sowie den US-Kabelfernsehkonzern Liberty Media und dessen Chef John Malone. Eine Verschwörung beider Unternehmen habe die Insolvenz seiner Mediengruppe verursacht, lautet der Vorwurf nach Angaben der Kirch-Anwälte. Bei der Deutschen Bank lag die Klage noch nicht vor.

<P><P>"Wir glauben, dass es einen klaren Plan gab: Die Deutsche Bank und Liberty Media haben sich verschworen, um die Kirch-Gruppe von der Finanzierung abzuschneiden und dann die Beute aufzuteilen", sagte Kirch-Anwalt Lawrence Rolnick von der New Yorker Kanzlei Lowenstein Sandler PC. Die Zerschlagung sei in Geheimtreffen und Telefonaten vorbereitet worden. Während Liberty Media und Konzernchef John Malone nach Ansicht der Anwälte die Kontrolle über den deutschen Kabelfernsehmarkt erhalten wollten, sei es für die Deutsche Bank um Investmentbanking-Aufträge von mehr als einer Milliarde Euro gegangen. <P>Höhepunkt der Verschwörung sei eine Interview-Äußerung des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Breuer vom 4. Februar 2002 gewesen, in der er von Zweifeln an der Kreditwürdigkeit des Kirch-Konzerns sprach. "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen", sagte Breuer in den USA. Diese Äußerung habe zum Verhandlungsstopp zwischen Kirch und amerikanischen Banken geführt, in denen ein Börsengang der Kirch-Media vorbereitet werden sollte, lautet der Vorwurf der Kirch-Seite. Zwei Monate später meldete das Herzstück des Kirch-Konzerns Insolvenz an. <P>Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, die Klage liege dem Kreditinstitut bisher nicht vor. Breuer habe jedoch mitteilen lassen, dass er nie mit Liberty-Chef Malone gesprochen oder sich mit ihm getroffen habe. Die Bank vertrete außerdem den Standpunkt, dass die umstrittenen Äußerungen Breuers zwar in den USA gefallen seien, aber nichts mit amerikanischen Belangen zu tun haben, die den Gang vor ein US-Gericht rechtfertigen würden. <P>In Kreisen der Deutschen Bank wurde außerdem spekuliert, Kirch wolle mit der Erweiterung der Klage um den Liberty-Aspekt möglicherweise nur erreichen, dass sie überhaupt von einem US-Gericht angenommen wird. Die Vorwürfe des gescheiterten Medienunternehmers würden nun absurde Züge annehmen, hieß es bei der Bank. <P></P>

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