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So klappt es mit dem Vorruhestand

Wer träumt nicht davon, seinen Ruhestand so früh wie möglich zu genießen? Doch wer schon vor dem 65. Geburtstag in Rente gehen will, muss mit Abschlägen rechnen. Der Vorruhestand muss daher früh und gut geplant werden.

Im Jahr 2009 haben laut der Deutschen Rentenversicherung rund 370 000 Versicherte von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, vorzeitig in Altersrente zu gehen. Wer sich auch mit diesem Gedanken trägt, sollte aber nichts überstürzen. Denn nicht jeder kann sich den vorzeitigen Ruhestand leisten. „Ein früherer Rentenbeginn und damit ein längerer Rentenbezug bedeutet Abschläge“, sagt Renate Thiemann von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Jeder Monat, den Arbeitnehmer vor Erreichen der Regelaltersrente in den Ruhestand gehen, kostet sie einen Abschlag von 0,3 Prozent. Aufs Jahr gerechnet ergibt sich somit eine Minderung der Rente um 3,6 Prozent. Das gilt auch für eine anschließende Hinterbliebenenrente.

Fünf Jahre vorher mit der Planung beginnen

Diese Kürzung kann man laut Thiemann durch eine zusätzliche Zahlung von Beiträgen ganz oder teilweise ausgleichen. Arbeitnehmer müssen mindestens 54 Jahre alt sein und der Rentenversicherung mitteilen, ihre Altersrente vorzeitig beziehen zu wollen. In einem Beratungsgespräch können sie klären, ob sich die zusätzliche Zahlung von Beiträgen wirklich lohnt.

Je eher man sich mit diesem Thema auseinandersetzt, desto besser, empfiehlt Judith Kerschbaumer, Leiterin des Bereichs Sozialpolitik der Gewerkschaft Verdi. Zwar müsse man sich noch nicht gleich bei Eintritt in den Beruf mit 20 darüber Gedanken machen. Aber: „Wenn man ans 50. Lebensjahr rankommt, sollte man dringend darüber nachdenken.“ Als Faustregel gilt laut Merten Larisch, Altersvorsorge-Experte der Verbraucherzentrale Bayern: Fünf Jahre vor dem möglichen Zeitpunkt vorzeitig in den Ruhestand zu gehen sollte man sich intensiv damit beschäftigen.

Private Rentenverträge überprüfen

Wer privat vorgesorgt hat, sollte dann auch mit seinen Geldinstituten sprechen, sagt Larisch. Man sollte sich erkundigen, was der Vertrag überhaupt hergibt. Bei Kapitalversicherungen kann der vorzeitige Ausstieg finanziell äußerst schmerzhaft sein. Zudem sollte man sich überlegen, ob man eine Rente ausgezahlt bekommen möchte oder das Kapital. Gesunde Menschen sollten die Rente nehmen, rät Larisch. Bei Aktienfonds sollte der beste Ausstiegszeitpunkt berücksichtigt werden: Sind die Aktien gerade im Keller, sollte das Geld noch eine Weile ruhen.

Dann geht es an die generellen Möglichkeiten: Versicherte müssen nicht bis zum 65., später bis zum 67. Lebensjahr warten, um eine Altersrente zu erhalten. Arbeitnehmer, die 35 Jahre Versicherungszeit nachweisen, können bereits mit 63 in den Ruhestand gehen. Sie müssen aber die Abschläge hinnehmen.

Geburtsjahrgang ist entscheidend

„Die Geburtsjahrgänge bis 1951 können auch noch die Rente wegen Arbeitslosigkeit und nach Altersteilzeit in Anspruch nehmen“, sagt Thiemann. Auch für sie gilt: Möglich ist das ab 63 und auch nur mit Abschlägen. Wer schwerbehindert und vor 1952 geboren ist sowie 35 Versicherungsjahre vorweist, kann ohne Abschläge mit 63 in Rente gehen, mit Abschlägen bereits mit 60. Für 1952 bis 1963 Geborene wird die Altersgrenze stufenweise auf 65 angehoben. Wer früher gehen möchte, hat ebenfalls Abschläge.

Frauen können bereits mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen. Das gilt aber nur noch für die Geburtsjahrgänge bis 1951. Außerdem muss abgewogen werden, ob der vorzeitige Rentenbezug lohnt, denn es werden Abschläge fällig. „Wer als Frau eine Altersrente vor dem eigentlichen Rentenalter – und damit vorzeitig – beziehen möchte, muss dafür Rentenabschläge von bis zu 18 Prozent hinnehmen“, sagt Thiemann. Wer seine Rente fünf Jahre eher bekommen möchte, hat 18 Prozent Abschläge, bei einem Jahr sind es nur 3,6 Prozent. Dies hat mit dem heraufgesetzten Rentenalter zu tun. Wollen Frauen hingegen auf keinen Cent verzichten, können sie diese Rente auch noch mit 65 beantragen.

Alternative Altersteilzeit

Eine weitere Möglichkeit ist die Altersteilzeit. „Das ist allerdings die teuerste Variante für den Arbeitgeber“, sagt Kerschbaumer. In Altersteilzeit können laut Bundesagentur für Arbeit Arbeitnehmer gehen, die das 55. Lebensjahr vollendet haben und innerhalb der vorangegangenen fünf Jahre mindestens 1080 Kalendertage einen versicherungspflichtigen Job hatten. Allerdings bieten das Arbeitgeber nur auf freiwilliger Basis an.

„Wenn der Arbeitgeber das nicht anbietet, kann ich mir überlegen, eine Teilrente in Anspruch zu nehmen“, sagt Kerschbaumer. Arbeitnehmer verzichten dabei auf einen Teil ihrer eigentlich bereits zustehenden Rente, dürfen aber noch in gewissen Grenzen hinzuverdienen. Für diesen Teilzeitjob werden weitere Rentenbeiträge gezahlt, und die spätere volle Altersrente erhöht sich. Allerdings kann eine Teilrente erst in Anspruch genommen werden, wenn auch die entsprechende Altersrente beansprucht werden kann.

Arbeitszeit ansparen

Um vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, kann man auch Langzeitkonten nutzen. Auf solchen Konten können geleistete Arbeitszeit, Arbeitsentgelt oder Entgeltbestandteile angesammelt werden. Diese können dann zu einem späteren Zeitpunkt zur Freistellung von der Arbeit verwendet werden – unter anderem dann, wenn man vorzeitig in Rente möchte. Arbeitnehmer sollten dabei aber eine Faustregel beachten. „Wenn sie ein Jahr vorzeitig in die Rente gehen wollen, müssen sie zehn bis zwölf Jahre lang drei Stunden pro Woche mehr arbeiten“, erklärt Kerschbaumer.

Berit Waschatz

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