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Was tun? Mit Verlust verkaufen? Oder doch auf eine Besserung am Aktienmarkt hoffen? Oder Tiefkurse gar zum Einstieg nutzen? Viele Anleger sind derzeit ratlos.

Kleinaktionäre in der Klemme

München - An der Börse kommen erst die Schmerzen, dann das Geld, soll Börsenguru André Kostolany einmal gesagt haben. Verheerende Verluste haben Aktionären in dieser Finanzkrise schon mehr als genug Pein bereitet. Allein 2008 hat sich der deutsche Aktienindex Dax fast halbiert. Kapitalmärkte wie Anleger sind verunsichert.

Wann es an der Börse wieder aufwärts geht und mit Aktien Gewinn gemacht werden kann, wagt derzeit niemand vorherzusagen. Einen so intensiven „Bärenmarkt“ hat es noch nie zuvor gegeben. Mit 20 Monaten dauert die Finanzmarktkrise nun schon fast so lang wie der Durchschnitt aller seit 1875 beobachteten Wirtschaftskrisen zusammen, berichtet die Kapitalanlagesellschaft Allianz Global Investors. Die ersten professionellen Investoren wagen sich allerdings schon wieder aus der Deckung und kaufen selektiv zu.

Privatanleger haben genug von Risiken

Ganz anders die Privatanleger. Die meisten Klein-Aktionäre haben genug von den Risiken der Aktienanlage. Weit über eine Million kehrten der Börse allein im zweiten Halbjahr 2008 den Rücken. Jeder siebte Aktienfondsbesitzer stieß seine Anteile ab. Derzeit sind nur noch knapp 13,5 Prozent der Bundesbürger in Aktien und Fonds investiert. Die seit Jahren anhaltende Flucht aus Aktien „entwickelt sich zu einem gravierenden Problem“, befürchtet Rüdiger von Rosen, Chef des Deutschen Aktieninstituts (DAI).

Dass Anleger die Börse als „Geldvernichtungsmaschine“ begriffen, sei nach den leidvollen Erfahrungen der letzten acht Jahre nicht verwunderlich, sagt Lothar Gries, Sprecher der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger. In dieser Zeit mussten zwei große Börsencrashs hintereinander verdaut werden: Das Platzen der New Economy-Blase im Gefolge des Jahres 2000 und die anhaltende Kurstalfahrt seit 2008.

Langer Horizont bringt den Erfolg

Wer nur die Hälfte seines Depotwerts eingebüßt hat, braucht stolze 100 Prozent Gewinn, um wenigstens null auf null herauszukommen. Aber wie soll eine solche Aufholjagd in angemessener Zeit klappen? Geduld sei wichtig und ein langer Anlagehorizont von mindestens zehn bis 20 Jahren, ist gebetsmühlenartig von DAI-Experten zu hören. Und dass das Risiko von Verlusten sinke, je länger man ein Wertpapier halte. An die sechs bis neun Prozent Rendite, die im Schnitt mit der langfristigen Aktienanlage zu holen sein können, wie DAI-Berechnungen auf Basis der Vergangenheitswerte ergeben, können die meisten Privatanleger momentan nicht mehr recht glauben.

„Es ist richtig schwer, etwas Gutes über die Gewinnbilanz der Aktionäre in den letzten zehn Jahren zu sagen“, räumt Roland Aulitzky ein, Finanzexperte von Finanztest. Die rein statistischen Berechnungen des Deutschen Aktienins-tituts sprechen für sich: Wer in der Boomphase des Jahres 1999 an der Börse investierte, hat bis heute im Schnitt vier Prozent Verlust pro Jahr gemacht. Wer 1998 kaufte, landete zwar nicht im Minus, machte aber auch keinen Euro Gewinn. Je teurer der Einstiegszeitpunkt, desto ernüchternder die Bilanz.

Nicht mit der Herde laufen

Trotz aller Krisen und Verluste stellen weder Verbraucherschützer noch Vermögensexperten die Aktienanlage grundsätzlich infrage. Im Gegenteil: „Die Aktie gibt es seit dem 17. Jahrhundert, sie ist immer wieder aufgestanden, hat sich verteuert und Menschen auf lange Sicht mit Renditen beglückt“, betont Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Sein Rat: Nicht mit der Herde laufen. Die Zeit der Kursanstiege komme wieder zurück. Sobald sich der Markt wieder beruhigt habe, also bis zu drei Wochen keine massiven Ausschläge zu verzeichnen sind, sei an einen Neueinstieg zudenken.

„Wir empfehlen nach wie vor Aktien zu kaufen, die Dellen sind dafür die interessantesten Zeiten“, bekräftigt auch Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Hauptsache, die Anleger machten nicht wieder den gleichen Fehler wie 2007, zu Höchstkursen einzusteigen.

„Auch wenn ich dafür im Moment ausgelacht werde: Ich würde jetzt investieren, jetzt gibt es kein übertrieben hohes Risiko mehr“, meint der Verbraucherschützer Aulitzky. Genau so komme auch das Geld wieder zu den enttäuschten Kleinanlegern zurück.

Berrit Gräber

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