Kleinaufträge halten Ich-AG auf Trab

- Hohenlinden - Kleinvieh macht auch Mist. Das ist die Devise, nach der Jens Demuth aus Hohenlinden bei Ebersberg seine Ich-AG führt. Der gelernte Bautenschutzfachwerker nimmt auch kleine Aufträge an. Und sei es nur, wie an diesem Tag, dass ein verwittertes Mülltonnengehäuse in Ordnung gebracht werden muss. Er ist mit Eifer dabei. "Es muss sich erst einmal rumsprechen, dass da jemand ist, der ordentlich Beton sanieren oder einen Keller abdichten kann", sagt der Selbstständige über die Anlaufschwierigkeiten seines Ein-Personen-Betriebs und setzt die Fräse wieder an.

<P>Die Maschine lärmt, feinste Betonpartikel werden aufgewirbelt. Er hält inne und fährt zufrieden über die bearbeitete Fläche. "Die ist glatt, da kommt jetzt eine dünne Schicht Spachtel drauf", erklärt er. Den Abschluss bildet Betonfarbe. Dann sieht das Mülltonnengehäuse des Reihenhauses wieder so gepflegt aus wie das des Nachbarn.</P><P>Der aus Görlitz stammende 36-Jährige ist zufrieden mit seiner Ich-AG, räumt aber ein: "Mein Fehler war, im Herbst zu gründen." Denn natürlich gebe es im Winter nicht allzu viel für einen Handwerker wie ihn zu tun. Aber mit Nebenjobs, die bei der Ich-AG ja erlaubt sind, hat er sich erst einmal über Wasser gehalten. Mit dem schönen Wetter trudelten dann mehr Aufträge herein. "Ich finde es toll, mein eigener Herr zu sein." </P><P>Großen Spaß macht Demuth neben der körperlichen Arbeit auch, mit Kunden zu verhandeln. Vor sechs Jahren hat er bei einer Münchner Bautenschutzfirma angefangen, im vergangenen Jahr wurde er dort mangels Aufträgen entlassen. Sofort nach seiner Arbeitslosmeldung machte er sich selbstständig. "Ich kann nicht nur einfach rumsitzen, ich muss immer was zu tun haben", sagt er. Für ihn war sofort klar, dass er bei seinem Beruf bleiben würde. Er ließ sich in der Handwerksrolle eintragen und einen Gewerbeschein ausstellen. Der Agentur für Arbeit in Ebersberg erläuterte er, welche Art von Tätigkeit er ausführen wollte, und hatte kurze Zeit später den Bewilligungsbescheid im Briefkasten. Aber wie an Kunden kommen? "Ich kenne da keine Hemmungen", sagt Demuth. Er habe sich Handzettel drucken lassen und sei damit bei verschiedenen Hausverwaltern und Immobilienmaklern vorstellig geworden. "Das hat funktioniert." Außerdem setzt er Annoncen in die Zeitung. Anrufe bekommt er einige, aber nur aus zwei von fünf Anfragen wird wirklich ein Auftrag. "Das liegt an der falschen Preisvorstellung der Leute. Manche haben einfach keine Ahnung, wie lange man an einer Sache arbeitet", meint er. Von Fall zu Fall entscheidet der Ich-AGler, ob er eine Pauschale aushandelt oder nach Stunden abrechnet.</P><P>10 000 Euro hat der Selbstständige in sein Unternehmen investiert. Den Kredit nahm Demuth auf, als er noch fest angestellt war. "Zum Glück", sagt er heute. Denn als er kürzlich noch einmal nach 5000 Euro fragte, sagte man ihm bei seiner Bank, dass er erst zwei Jahre erfolgreich selbstständig sein müsse, bevor man den nächsten Kredit gewähre. "Das ist wirklich ein Fehler im System. Gerade am Anfang braucht man doch das Geld, nicht dann, wenn der Laden läuft."</P>

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